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Wo finden Angehörige von psychisch Erkrankten Unterstützung?

Eine Übersicht von Hilfsangeboten in Deutschland



Erkrankt eine nahestehende Person, ein Familienmitglied oder der/die Partner*in an einer psychischen Störung, so sehen sich auch Angehörige häufig mit Herausforderungen, Fragen und Unsicherheiten konfrontiert. An wen können sich Angehörige in diesen Fällen wenden? Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es speziell für Angehörige von psychisch Erkrankten in Deutschland?


Inzwischen liegt eine ganze Reihe unterschiedlicher Hilfsangebote speziell für Angehörige vor – von Online-Foren über regionale Selbsthilfegruppen bis hin zu Seminaren und Workshops. Dieser Blogartikel soll einen allgemeinen Überblick über die verschiedenen Angebote und Möglichkeiten in Deutschland geben.


Eine wichtige Anlaufstelle: Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK e. V.)

Ein guter Ausgangspunkt für die Suche nach Unterstützungs- und Beratungsangeboten für Angehörige ist der BApK e. V. – eine Selbsthilfeorganisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren und sich für eine Versorgung einsetzt, die den Interessen der Betroffenen wie auch den Angehörigen gerecht wird [1, 2]. Der Verband engagiert sich für niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote, kooperiert dabei z.B. mit unterschiedlichen Bundesministerien sowie Fachgesellschaften und vertritt die Interessen der Angehörigen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Der BApK e. V. ist untergliedert in mehrere Landesverbände, die Angebote und Informationen auf Ebene einzelner Bundesländer bereitstellen [2].

Über die Homepage des BApK e. V. kann man sich einen Überblick über dessen Angebote und Funktionen verschaffen sowie die Websites der einzelnen Landesverbände erreichen:


Selbsthilfe- und Angehörigengruppen


Einen wichtigen Baustein in der Angehörigenhilfe stellen Selbsthilfe- und Angehörigengruppen dar. Doch Selbsthilfegruppe ist nicht gleich Selbsthilfegruppe: Diese können sich u.a. dahingehend unterscheiden, zu welchem Ausmaß eine Begleitung bzw. Moderation durch Expert*innen gegeben ist, ob die Treffen in Präsenz oder online stattfinden sowie auch, ob eine konkrete Störung im Fokus steht (z.B. Selbsthilfegruppen für Angehörige von Menschen, die an einer Bipolaren Störung erkrankt sind; [3, 4]).


Welche Kosten hat eine Teilnahme an Selbsthilfegruppen?


In der Regel ist der Besuch einer Selbsthilfegruppe kostenfrei [4, 5]. Unter Umständen kann es jedoch sein, dass um einen freiwilligen Beitrag zur Deckung der Raumkosten gebeten wird und wenn eine Selbsthilfegruppe als Verein gegründet wurde, so kann nach gewisser Zeit möglicherweise ein Vereinsbeitrag nötig sein [5]. Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (kurz: NAKOS) empfiehlt, sich vorab bei den sogenannten Selbsthilfekontaktstellen über die einzelnen Angebote zu informieren [5]. Die regionalen Kontaktstellen lassen sich über die Homepage der NAKOS erreichen: https://www.nakos.de/informationen/basiswissen/kontaktstellen/


Wo finde ich passende Selbsthilfegruppen?


  1. Über die Website des BApK e. V. können deutschlandweit Selbsthilfegruppen für Angehörige gefunden werden. Dabei lässt sich die Suche nach Region, Diagnose, Betroffenheit sowie Organisation filtern. https://www.bapk.de/angebote/selbsthilfenetz-psychiatrie/suche-selbsthilfegruppen-deutschland-text.html

  2. Auch ein Besuch der Websites der Landesverbände des BApK e. V. lohnt sich, um Selbsthilfegruppen in der Nähe zu finden. Die Internetauftritte der Landesverbände sind erreichbar über den BApK e. V.: https://www.bapk.de/der-bapk/landesverbaende.html Alternativ sind die Landesverbände auch auf der Website der Initiative „Angehörige im Mittelpunkt“ aufgelistet, einem Zusammenschluss des BApK e. V. und einzelnen Landesverbänden: dazu auf der Startseite auf „Wo finde ich Hilfe?“ klicken · https://www.angehoerige-im-mittelpunkt.de/wo-finde-ich-hilfe/

  3. Über die NAKOS lassen sich deutschlandweit Selbsthilfegruppen zu unterschiedlichsten Themen finden. Dazu gibt es auf der Website https://www.nakos.de/ verschiedene Datenbanken. für Selbsthilfegruppen für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen auf der Startseite auf „Adressen“ klicken, „GRÜNE ADRESSEN“ wählen, anschließend „Seelische Erkrankungen und Probleme“ aufrufen. Anschließend lassen sich thematische Bereiche spezifizieren und Stichworte hinzufügen, um die Suche einzugrenzen: https://www.nakos.de/adressen/gruen/seelische-erkrankungen/


Telefonische Gesprächsangebote


Telefondienste oder auch „Krisen- oder Sorgentelefone“ bieten im Allgemeinen anonyme und vertrauliche Gespräche mit speziell geschulten Personen an. Mit diesen kann über persönliche Anliegen, Schwierigkeiten, Krisen, Sorgen aller Art gesprochen werden.


  1. Der BApK e. V. bietet mit dem „SeeleFon“ einen Telefondienst speziell für Angehörige von psychisch Erkrankten Menschen an. Das Angebot ist anonym. Es fallen Gebühren je nach persönlichem Telefonvertrag an. Erreichbarkeit und weitere Infos finden sich unter: https://www.bapk.de/angebote/seelefon.html Telefonnummer: 0228/71002424

  2. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet ein bundesweites Sorgentelefon speziell für Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen an. Die Erreichbarkeit beschränkt sich auf das Wochenende (Freitag bis Sonntag) und gesetzliche Feiertage. Es können möglicherweise Kosten je nach Telefonvertrag anfallen. https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/gesundheit-und-praevention/suchtberatung/ Telefonnummer: 06062/60767

  3. Die TelefonSeelsorge ist ein themenübergreifendes Gesprächsangebot und für alle Anliegen offen. Das Angebot der TelefonSeelsorge ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar. https://www.telefonseelsorge.de/ Telefonnummer: 0800/1110111, 0800 / 1110222 oder 116 123

  4. Nicht selten gibt es auch regionale oder ortsspezifische Sorgentelefone: Auch hier lohnt sich also ein Besuch der Websites der Landesverbände des BApK e. V.



Chats und Foren

Anstatt telefonisch über Sorgen oder Herausforderungen zu sprechen, stehen auch Chats und Gesprächsforen zur Verfügung, bei denen man schriftlich miteinander kommuniziert.


  1. Der BApK e.V. bietet mit dem „PEER4U“-Programm eine Online-Peer-to-Peer-Beratung von jungen Angehörigen für junge Angehörige (= Peers) an. Die Berater*innen waren als Angehörige selbst bereits in vergleichbaren Situationen und werden von Therapeut*innen bei ihrer Beratungstätigkeit unterstützt. Das Angebot ist anonym und kostenfrei, es sind allerdings bestimmte Chat-Zeiten zu beachten. https://peer-for-you.de/

  2. Über die GRÜNEN ADRESSEN der NAKOS lassen sich verschiedenste Selbsthilfeinternetforen finden (z.B. Forum für Alkoholiker und Angehörige). Je nach Angebot kann es unterschiedliche Rahmenbedingungen geben. Dazu informiert man sich bestmöglich auf den Websites der einzelnen Foren. https://www.nakos.de/adressen/gruen/selbsthilfe-internetforen/

  3. Die TelefonSeelsorge bietet auch eine Chat- und Mailseelsorge an. Das Angebot ist ebenfalls kostenfrei und anonym. https://online.telefonseelsorge.de/

  4. Speziell für die Diagnose Depression wird ein „Diskussionsforum Depression“ angeboten, das von der Deutschen Depressionshilfe mitorganisiert wird. Das Angebot richtet sich sowohl an Betroffene als auch an Angehörige. Die Teilnahme am Diskussionsforum ist kostenfrei und anonym. Die Moderation des Forums wird von Expert*innen übernommen. Teilnehmende können einander zum Beispiel Tipps geben. Darüber hinaus gibt es auch untergliederte Foren zu spezifischen Themen. https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/online-foren https://www.diskussionsforum-depression.de/


Ratgeber, Literatur & Blogs

In Ratgeberliteratur, Biografien und Erfahrungsberichten erhalten Angehörige Informationen über die psychische Störung und deren Behandlung, Empfehlungen zum Umgang mit der erkrankten Person sowie auch Tipps, wie sie ihr eigenes Wohlbefinden nicht außer Acht lassen. Bücher sind meist natürlich kostenpflichtig, teilweise gibt es auf den einzelnen Websites aber kostenloses Infomaterial in Form von Broschüren, Flyern, die man herunterladen oder sich per Post zuschicken lassen kann.


  1. Auf der Website des BApK e. V. können unter dem Menüpunkt „Publikationen“ Ratgeber, Broschüren und weiteres Infomaterial bestellt werden – meist kostenpflichtig. https://www.bapk.de/publikationen.html Ebenso lassen sich unter dem Menüpunkt „Informationsportal“ Infomaterialen zu weiter eingegrenzten Themen finden (bspw. Angehörige und Psychiatrie): https://www.bapk-themen.de/

  2. Das Psychiatrienetz stellt eine Reihe an Büchern für Familien und Angehörige von psychisch erkrankten Menschen vor. https://www.psychiatrie.de/buecher/familieangehoerige.html

  3. Der Psychiatrie-Verlag ist ein Fachverlag für Sozialpsychiatrie. Hierüber können bspw. Bücher und Zeitschriften bestellt werden. Diese sind kostenpflichtig Zu der Ratgeberliteratur gelangt man über folgenden Link: https://psychiatrie-verlag.de/product-category/balance-ratgeber/ Erfahrungsberichte lassen sich erreichen unter: https://psychiatrie-verlag.de/product-category/balance-erfahrungen/

  4. Die Deutsche Depressionshilfe stellt einige hilfreiche Links für Angehörige von Menschen mit Depression bereit und präsentiert eine Auswahl an Ratgeberliteratur. https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/rat-fuer-angehoerige/links-und-literatur

  5. Auch auf den Websites der Landesverbände des BApK e. V. kann man Literaturempfehlungen finden. z.B. „Bücherliste“ des LAPK Hamburg: https://www.lapk-hamburg.de/informationen/buecherliste/

Seminare, Veranstaltungen und Tagungen

Durch die Teilnahme an Workshops, Seminaren oder den Besuch von Veranstaltungen und Tagungen können sich Angehörige etwa über rechtliche oder finanzielle Themen informieren, sich austauschen und miteinander vernetzen. Hier sind ggf. anfallende Kosten im Einzelnen zu beachten.


  1. Der BApK e. V. informiert in seinem kostenfreien Newsletter unter anderem auch über Seminare und Veranstaltungen. Man kann den Newsletter sowohl abonnieren als auch online lesen: https://www.bapk.de/presse/newsletter.html

  2. Auch ein Besuch auf den Websites der Landesverbände ist empfehlenswert. Diese bieten zum Teil auch Newsletter an oder haben auf ihren Homepages Kategorien wie „Veranstaltungen“ oder „Termine“.


Beratung / Beratungsstellen

Nicht zuletzt können Angehörige sich auch vor Ort durch Expert*innen beraten lassen – z.B. in regionalen Beratungsstellen, in Fachzentren oder Organisationen, die oft auch auf einzelne Störungsbilder spezialisiert (bspw. Suchtberatungsstellen) sind und teilweise Beratungsangebote explizit für Angehörige anbieten.


Informationen zu den nächstgelegenen Anlaufstellen finden sich häufig auf den Internetauftritten (größerer) Städte bzw. Gemeinden und Landkreisen. Hilfreiche Stichworte sind hier die Fachbereiche „Sozialpsychiatrische Dienste“ und „Sozialdienst“. Diese öffentlichen Angebote sind kostenfrei.


Darüber hinaus bieten auch Wohlfahrtsverbände sowie kirchliche Träger Beratung zu unterschiedlichen Themen an.


Hilfreiche Adressen und Links:


Weitere Angebote

Speziell an erwachsene Angehörige von Menschen mit einer unipolaren Depression richtet sich der „Familiencoach Depression“ der AOK-Krankenkasse. Dies ist ein interaktiv gestaltetes Online-Selbsthilfeprogramm bestehend aus 5 thematischen Abschnitten, die man auch unabhängig voneinander durchgehen kann. Das Ziel dabei ist es laut AOK, dass Angehörige den Alltag mit der betroffenen Person besser bewältigen können, etwa indem sie ihre Selbstfürsorge trainieren. Der Familiencoach Depression ist ein kostenloses und anonymes Angebot – man muss nicht bei der AOK versichert sein, jedoch ist es nötig, sich ein Profil zu erstellen. Weitere Infos zu diesem Angebot finden sich auf der Website der AOK, speziell unter folgendem Link:





(Zusätzliche) Quellen

[1] Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (o. D.). Aufgaben / Ziele. https://www.bapk.de/der-bapk/aufgaben-ziele.html

[abgerufen am 27.03.2023]


[2] Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (o. D.). Über den BApK. https://www.bapk.de/der-bapk/ueber-den-bapk.html

[abgerufen am 27.03.2023]


[3] Borbé, R., Hornung, W. P. & Buchkremer, G. (2011). Psychoedukation und Angehörigenarbeit. In H.-J. Möller, G. Laux & H.-P. Kapfhammer (Hrsg.). Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie: Band 2: Spezielle Psychiatrie (4., erweiterte und vollständig neu bearbeitete Auflage, S. 1035-1049). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-642-03637-8


[4] Kofahl, C. (2011). Geteiltes Leid gibt Halt und Kompetenz: „Psycho “-und Suchtgruppen für Betroffene und Angehörige. MMW-Fortschritte der Medizin, 153, 29-33. https://doi.org/10.1007/BF03367906


[5] NAKOS Nationale Kontakt- und Informationsstelle

zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen. (28.06.2022). Häufige Fragen (FAQ). https://www.nakos.de/informationen/fragen/

[abgerufen am 27.03.2023]



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