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Tipps für den Umgang mit psychisch Erkrankten in der Familie


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Angehörige nehmen eine entscheidende Rolle im Leben eines psychisch Kranken ein. Zum Beispiel, indem sie der betroffenen Person Unterstützung und Verständnis bieten. Sie können wesentlich zur Besserung und Bewältigung von Krisen beitragen und bei Rückfällen unterstützen. In diesem Blogartikel werden wir uns darauf konzentrieren, wie Angehörige eine gelassene und akzeptierende Haltung gegenüber der psychischen Erkrankung einnehmen können, um ihren Liebsten bestmöglich zu unterstützen und eine positive familiäre Atmosphäre zu schaffen. So kann der erkrankten Person geholfen werden, sich gleichzeitig verstanden und unterstützt zu fühlen.


 

Unterstützende Angebote für Angehörige psychisch Kranker

Angehörige von psychisch Erkrankten können sich an verschiedene Anlaufstellen wenden, um Informationen und Unterstützung zu erhalten. Beratungsstellen für Angehörige bieten individuelle Beratungen an, während Selbsthilfegruppen speziell für Eltern, Partner, Kinder oder Geschwister angeboten werden. Landesverbände der Angehörigen psychisch Erkrankter bieten ebenfalls telefonische Beratungen an. Psychiatrische Kliniken veranstalten oft Informationsveranstaltungen und regelmäßige Gesprächsgruppen für Angehörige psychisch Kranker, um kontinuierliche Unterstützung zu bieten. Zusätzlich bieten viele Kliniken öffentliche Vorträge und Seminare an, bei denen sich Angehörige spezifisch über psychische Erkrankungen informieren können. Dort bekommen Angehörige Einblicke in Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und wie gut die Chancen sind, dass die Symptome wieder verschwinden oder zumindest deutlich zurückgehen.  Es ist ratsam, auch das individuelle Gespräch mit der behandelnden Person (z.B. Psychotherapeut:in oder Psychiater:in) des psychisch erkrankten oder der erkrankten zu suchen, um das Verständnis für die Erkrankung zu vertiefen und konkrete Fragen zur Erkrankung und geeigneten Behandlungsmöglichkeiten zu klären. Internetseiten und Ratgeber-Bücher für Angehörige bieten ebenfalls hilfreiche Informationen.


Psychoedukation: Experte für die Erkrankung werden

Um den psychisch Erkrankten bestmöglich zu unterstützen und Rückfällen vorzubeugen, ist es entscheidend, über die Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten als Angehöriger informiert zu sein. So ist es möglich, dass der oder die Betroffene bestmöglich unterstützt wird, Rückfälle frühzeitig erkannt werden, angemessen reagiert werden kann und Rückfällen im Allgemeinen besser vorgebeugt werden kann. Studien belegen, dass informierte Angehörige den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und das Rückfallrisiko durch regelmäßige Unterstützung, um 25 Prozent verringern können. Durch eine gründliche Psychoedukation lassen sich zudem Vorurteile und falsche Vorstellungen über die Erkrankung abbauen.


Informierte Angehörige sind bessere Helfer

Tipps für den familiären Umgang mit psychisch Erkrankten

Die folgenden Tipps können helfen, den psychisch Erkrankten bestmöglich zu unterstützen, ein harmonisches Familienleben zu führen und Stress sowie Konflikte zu vermeiden:


  • Sei einfühlsam und verständnisvoll. Es ist hilfreich, psychisch erkrankten Person gut zuzuhören und ihr Zeit zu geben, ihre Probleme und ihre Sicht der Dinge zu erklären. Zeige Interesse an ihrer Sichtweise und versuche, Verständnis für sie und ihre Probleme aufzubringen. Vermeide es dagegen, ihr gut gemeinte Ratschläge zu geben.

  • Fördere kleine Schritte in Richtung Gesundheit und Rückkehr zu einem normalen Leben. Ermutige die erkrankte Person dazu, aber dränge oder überfordere sie nicht. Vermittele ihr Zuversicht und Hoffnung. Lobe sie bei Fortschritten oder bei dem Versuch, etwas zu verändern - selbst wenn es nicht sofort gelingt - und freut euch gemeinsam daran.

  • Umsorge die erkrankte Person nicht zu viel und lasse ihr so viel Selbstständigkeit wie möglich. Lasse sie zugleich wissen, dass du für sie da bist, wenn sie Unterstützung braucht.

  • Mache dir bewusst, dass eine Besserung und Stabilisierung einer psychischen Erkrankung Zeit braucht, und dass es immer wieder zu Rückschlägen kommen kann. Habe deshalb Geduld mit dir selbst und setze dich und die betroffene Person nicht zu stark unter Druck.

  • Sorge für gemeinsame positive Aktivitäten wie Freizeitaktivitäten und Ausflüge. Erwarte aber von der erkrankten Person auch nicht zu viel – vor allem in und nach akuten Krankheitsphasen. Lasse ihr Zeit und vermeide es, sie zu überfordern oder zu stark zu stimulieren.

  • Fördere einen regelmäßigen Lebensrhythmus. Zum Beispiel mit regelmäßigem und ausreichendem Schlaf, Mahlzeiten, ausreichend Bewegung und geregelten Zeiten für Arbeit und Freizeit.

  • Treffe zusammen mit dem oder der Betroffenen Absprachen und findet gemeinsam Regeln für das Zusammenleben in der Familie und für den Umgang mit der Erkrankung, zum Beispiel, was zu tun ist, wenn sich die Erkrankung wieder verschlechtert.

  • Denke daran, dass auch jemand, der sehr krank ist, gesunde Anteile bewahrt hat. Frage dich, wie der gesunde Teil des Angehörigen reagieren würde und wie der kranke Teil. Helfe der Betroffenen Person, die gesunden Anteile zu stärken.

  • Mache dir bewusst, dass es nicht notwendig ist, dass du oder die Erkrankte Person allein mit der Erkrankung klarkommen und alle Probleme allein lösen müsst. Das ist oft gar nicht möglich und dafür gibt es professionelle Unterstützungsangebote. Motiviere die betroffene Person deshalb, rechtzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

  • Informiere dich gut über die Medikamente, die die erkrankte Person erhält, ihre Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen. Du kannst der betroffenen Person bei der Einnahme der Medikamente unterstützen und sie zum Beispiel an die Einnahme erinnern.



Der Umgang mit erneuten Symptomen

Manchmal können sich die Symptome einer psychischen Erkrankung wieder verschlechtern oder neue Symptome auftreten. Um einer Verschlechterung oder einem Rückfall in eine neue Krankheitsphase bestmöglich vorzubeugen, kann folgendes hilfreich sein:


  • Erstelle gemeinsam mit der psychisch erkrankten Person eine Liste mit Frühwarnzeichen der Erkrankung, auf die ihr gemeinsam achten könnt. So könnt ihr rechtzeitig erkennen, dass sich möglicherweise eine neue Krankheitsphase anbahnt.

  • Treffe mit der erkrankten Person klare Vereinbarungen, welche Konsequenzen bestimmte Krankheitsanzeichen oder Verhaltensweisen haben, also wie der oder die Betroffene oder die Familie darauf reagieren sollen.

  • Unterstütze die erkrankte Person dabei, in einem solchen Fall einen Termin bei ihrem ärztlichen Personal oder ihrem Psychotherapeuten bzw. ihrer Psychotherapeutin auszumachen.



Wenn die Betroffene Person die Einbeziehung in die Behandlung ablehnt

Manchmal möchte die psychisch kranke Person nicht, dass andere Familienmitglieder über ihre Erkrankung informiert werden oder in die Behandlung einbezogen werden. Ärztliches Fachpersonal und Psychotherapeuten und Therapeutinnen haben eine Schweigepflicht gegenüber volljährigen Patienten, sodass sie ohne deren ausdrückliche Zustimmung keine Informationen über dessen Befinden und Behandlung weitergeben dürfen. Auch nicht an nahestehenden Angehörigen.


In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, dass der Patient oder die Patientin vorübergehend keinen oder wenig Kontakt zu seinen Angehörigen hat. In solchen Situationen kann es hilfreich sein, mit einem Mitglied des Behandlungsteams zu sprechen, um die Gründe dafür zu verstehen. Es ist dennoch möglich, mit dem behandelnden ärztlichen Fachpersonal der betroffenen Person in Kontakt zu treten, um allgemeine Informationen über die Erkrankung, Behandlungsmöglichkeiten und den Umgang damit zu erhalten. Oder du kannst zum Beispiel deine eigenen Beobachtungen zur Erkrankung mitteilen.



Schlusswort

Angehörige von psychisch erkrankten Familienmitgliedern können durch einfühlsame Unterstützung und Verständnis einen positiven Beitrag zur Genesung leisten. Die Annahme einer gelassenen und akzeptierenden Haltung gegenüber der Erkrankung sowie die aktive Suche nach Informationen und Hilfestellungen sind wichtige Schritte. Es ist entscheidend, die Grenzen der erkrankten Person zu respektieren und sich gleichzeitig um das eigene Wohlbefinden zu kümmern. Durch offene Kommunikation, das Einholen professioneller Beratung und den Austausch mit anderen Angehörigen können Belastungen reduziert und eine unterstützende familiäre Atmosphäre geschaffen werden. Letztendlich ist es wichtig zu erkennen, dass der Umgang mit psychischen Erkrankungen eine Herausforderung darstellt, die mit Geduld, Liebe und einer engagierten Gemeinschaftsbeteiligung bewältigt werden kann.



Quellen


BApK. (o. D.). Themenportal. Bapk-Themen. https://www.bapk-themen.de/
Finke, G. Finke, G. Schäffler, A. (2020). Gesundheit heute (Aufl. 3). Trias. https://www.apotheken.de/krankheiten/hintergrundwissen/4658-hilfe-fuer-betroffene-und-angehoerige-bei-psychischen-erkrankungen 

PAL Wolf D. (2021, 19. August). Psychologische Hilfe für betreuende Angehörige. PalVerlag. https://www.palverlag.de/angehoerige-hilfe.html











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