Demenz: Wie Betroffene und Angehörige unterstützt werden können



Der erste Blogeintrag zum Thema Demenz hat einen Überblick über die Symptomatik, Risiko- und Schutzfaktoren sowie die Verbreitung des Störungsbildes gegeben. Es gibt unterschiedliche Formen der Demenz, wobei jedoch der Abbau und der Verlust von kognitiven Fähigkeiten im Vordergrund stehen. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, welche Belastungen erleben Angehörige und wie kann diesen begegnet werden?


Therapieansätze bei Demenz

Die Therapie zielt darauf ab, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und Symptome abzumildern. Sie umfasst die pharmakologische Behandlung sowie psychosoziale Interventionen für Betroffene und Angehörige. Durch die unterschiedlichen Krankheits- und Symptomverläufe ist es besonders wichtig, die Therapie individuell an die betroffene Person und den jeweiligen Schweregrad der Erkrankung anzupassen.

Durch die starke Belastung, welche mit dem Krankheitsbild sowohl für die Betroffenen als auch die Angehörigen einhergeht, gelten psychosoziale Interventionen als zentraler und notwendiger Bestandteil der Therapie. Hierbei ist zu beachten, dass verschiedene Interventionen häufig unterschiedliche Ziele aufweisen, weshalb eine Kombination aus mehreren Interventionen als sinnhaft betrachtet wird.

Grundsätzlich wird empfohlen, eine feste Tagesstruktur für die Betroffenen zu etablieren und diese zu pflegen. In dieser Struktur lassen sich verschiedene Interventionen integrieren wie beispielsweise Musiktherapie, kognitives Training („Gehirnjogging“) und Ergotherapie.


Zu den psychosozialen Interventionen speziell für Angehörige gehören Angehörigentrainings zum Umgang mit den jeweiligen Symptomen der Demenzerkrankung.


Ein Blick auf die Angehörigen

Die emotionale Belastung von Angehörigen erweist sich als hoch, insbesondere durch Veränderungen der erkrankten Person in Bezug auf ihre Selbstständigkeit und das Scheitern an alltäglichen Aufgaben.


Viele an Demenz erkrankte Personen werden im häuslichen Umfeld versorgt, weshalb die Familien der Erkrankten als ein wichtiger Stützpfeiler in der Betreuung und Pflege gelten. Die dadurch entstehende Belastung der miteinbezogenen Angehörigen erstreckt sich über verschiedene Bereiche:


Die in der Tabelle dargestellten vielfältigen Belastungsfaktoren bringen die Angehörigen regelmäßig an ihre Belastungsgrenzen. Dadurch kommt es zu Überforderung und/oder Überlastung der Person. Mögliche Folgen davon können körperliche und psychische Beeinträchtigungen (vor allem bei der Hauptpflegeperson) sein.





Möglichkeiten, um die Belastung der Angehörigen zu reduzieren

Um die Belastung von pflegenden Angehörigen zu reduzieren, ist es wichtig, den Umgang mit dem Verhalten von erkrankten Personen und die dazugehörigen Bewältigungsstrategien und Entlastungsmöglichkeiten zu vermitteln. Die nachfolgend aufgelisteten Angebote können diesbezüglich sinnvoll und hilfreich sein:


Psychoedukative Interventionen

Dies können Beratungs- und Schulungsangebote für Einzelpersonen oder Gruppen sein.

Der Fokus liegt hier auf der Vermittlung von Wissen über die Erkrankung, Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten sowie über Bewältigungsstrategien.


Entlastung bei Pflege- und Betreuungsaufgaben

Pflegedienste, Tagespflege oder teilstationäre Einrichtungen können die Angehörigen bei der Betreuung gezielt und professionell unterstützen. Das Ziel ist hierbei in erster Linie die Entlastung der Pflegeperson in Bezug auf pflegerische Tätigkeiten oder Betreuungsaufgaben.


Angehörigen- und Selbsthilfegruppen

Diese bieten im Sinne von “Hilfe zu Selbsthilfe” gegenseitige emotionale Unterstützung und helfen, soziale Isolation abzuwenden, indem Ideen zum Umgang mit der betroffenen Person ausgetauscht werden. Ebenso können hilfreiche Informationen gewonnen werden, zum Beispiel zu regionalen Unterstützungsangeboten sowie zu Möglichkeiten der Finanzierung.


Psychotherapeutisches Angebot

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren können beim Aufbau und/oder der Förderung hilfreicher Denk- und Verhaltensweisen im Umgang mit der Situation helfen. Darüber hinaus sind Stressbewältigung, emotionale Entlastung und Reduktion erlebter Belastungen häufige Ziele.


Facheinrichtungen

Hierunter fallen z.B. Gerontopsychiatrische Kliniken oder Gedächtnisambulanzen, die unter anderem mit Ergotherapie oder kognitiven Trainings ein breitgefächertes demenzspezifisches Angebot bereitstellen.


Unterstützung im privaten Umfeld Der sozialen Unterstützung durch andere Familienangehörige, Freundschaften, Bekannte oder die Nachbarschaft kommt ebenfalls eine hohe Bedeutung zu. Sie tragen zur emotionalen Entlastung bei - etwa durch Ablenkung, Austausch sowie Wertschätzung, aber auch durch praktische Hilfestellungen und Vermeidung von sozialer Isolation.

Ambulante Angebote

Ein mobiler sozialer Hilfsdienst unterstützt bei der häuslichen Betreuung bspw. durch die Übernahme von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten oder Gartenarbeiten.

Der ambulante Hospizdienst hilft in Form von individuell gestalteter psychosozialer Begleitung und Beratung von Angehörigen und Betroffenen. Zudem werden Informationsveranstaltungen, auch zu spezifischen Fragestellungen, angeboten.


Quellen

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.) (2016). S3-Leitlinie “Demenzen” (Langversion).

https://www.dgppn.de/leitlinien-publikationen/leitlinien.html


Huang, J. (2019, Dezember). Demenz. MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise.

https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/neurologische-krankheiten/delir-und-demenz/demenz#


Prölß, A., Schnell, T., & Koch, L. J. (2019). Psychische StörungsBILDER. Berlin: Springer.

https://doi.org/10.1007/978-3-662-58288-6


Wächtershäuser, A. (2016). Unterstützungsmaßnahmen für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenzerkrankung. Evaluation bestehender Entlastungsangebote und deren konzeptionelle Weiterentwicklung (Inaugural-Dissertation). Philipps-Universität Marburg.

https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2017/0470/pdf/daw.pdf


World Health Organization. (2021). Global status report on the public health response to dementia.

https://www.who.int/publications/i/item/9789240033245