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Was genau ist eigentlich Resilienz?



Immer häufiger wird in der Psychologie und Medizin nicht nur begutachtet, was Menschen krank macht, sondern auch welche Faktoren sie eigentlich gesund halten. Hierbei fällt oft der Begriff der Resilienz. In diesem Artikel soll erklärt werden, worum es sich hierbei handelt und welche Faktoren Resilienz beeinflussen können.


Was ist Resilienz?

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird unter Resilienz “die psychische Widerstandsfähigkeit und eine gesunde und altersgemäße Entwicklung trotz ernsthafter Gefährdungen im Sinne von ungünstigen Lebensumständen oder kritischen Lebensereignissen” verstanden.

Ursprünglich kommt der Begriff Resilienz aus der Physik und bedeutet Strapazierfähigkeit oder Elastizität - was sich bedeutungsmäßig in die Definition der BZgA einfügt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe ‘Resilienz’ und ‘Resistenz’ gerne synonym verwendet, wobei sie voneinander abgegrenzt werden können. Während Resistenz zwar auch Widerstandsfähigkeit bezeichnet, ist sie im Gegensatz zur Resilienz starr, unflexibel und verhindert somit angepasste Verhaltensreaktionen auf die Lebensumstände. Verdeutlicht werden kann die Unterscheidung am Beispiel eines Baums, der einem Sturm ausgesetzt ist: Resistenz sorgt dafür, dass der Baum sich nicht bewegt und den Sturm unverändert übersteht. Resilienz ermöglicht hingegen, dass der Baum sich dem Sturm beugt, dadurch teilweise beschädigt wird, sich aber regenerieren kann. Hierbei besteht außerdem die Möglichkeit zur Rekonfiguration, also einem neuen Wachstum, das ihn besser gegen den nächsten Sturm schützt. Während Resilienz also eine Bewältigungskompetenz vor zukünftigen Stressoren und Krisen beinhaltet, verhindert Resistenz diese eher.


Wie entsteht Resilienz?

Die bekannteste Resilienzstudie wurde auf der Insel Kauai von Emmy Werner durchgeführt. Hier wurden alle 1955 geborenen Kinder über mehrere Jahrzehnte begleitet und ihre Entwicklung untersucht. Überrascht waren die Forscher:innen, dass von den 200 Kindern, denen das höchste Risiko für die Entwicklung einer psychischen Störung unterstellt wurde, 72 Kinder optimistische und verantwortungsvolle Erwachsene wurden. Mit dieser Studie wurde praktisch der Grundstein der Resilienzforschung gelegt, da die vorher läufige Annahme, dass eine gesunde Entwicklung bei schwerwiegenden Risikofaktoren nahezu unmöglich sei, widerlegt wurde.

Die zwei bekanntesten Theorien zur Entstehung von Resilienz sind aktuell die Abhärtungstheorie und die Stärkungstheorie. Die Abhärtungstheorie besagt, dass eine Konfrontation mit Stressoren den Umgang mit diesen lehrt. Die Stärkungstheorie geht hingegen davon aus, dass positive Erfahrungen und die Abwesenheit negativer Erfahrungen eine sichere Grundlage bilden. Beide Theorien betonen, dass die richtige “Dosis” ausschlaggebend ist: So sei es wahrscheinlich, dass sehr starke Traumata nicht abhärten und zu viel Schutz vor negativen Erlebnissen eher zu einer geringen Stresstoleranz führt. Wie so oft ist auch hier die richtige Mischung entscheidend.


Resilienz als Mischung an Schutzfaktoren

Resilienz besteht aus verschiedenen Schutzfaktoren, welche Widerstandsfähigkeit gegenüber verschiedenen Stressoren bieten. Diese Schutzfaktoren werden zwei verschiedenen Kategorien zugeordnet: Den persönlichen und den sozialen Schutzfaktoren. Bei Kindern und Jugendlichen werden zusätzlich familiäre Schutzfaktoren differenziert.

Zu den Schutzfaktoren zählen unter Anderem:

  • Optimismus: führt zu einem höheren Durchhaltevermögen und geringerer psychischer Belastung

  • Hoffnung: führt zu mehr Motivation und positiver Erwartung, Ziele zu erreichen

  • Selbstwirksamkeitserwartung (= Die Erwartung, Anforderungen selbst bewältigen zu können): bewirkt, dass Stressoren eher als Herausforderung gesehen werden, wodurch es zu einem höheren Durchhaltevermögen kommt

  • Kohärenzgefühl (Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit von Lebensereignissen): bietet Ressourcen und Motivation zur Bewältigung von negativen Ereignissen

  • Coping (Bewältigungsstrategien): bietet Strategien, welche eine Bewältigung von negativen Ereignissen erleichtert

  • Soziale Unterstützung: ein unterstützendes soziales Umfeld beseitigt viele Risiken und Stress, wodurch es einen stark schützenden Effekt hat

Es gibt zahlreiche weitere Schutzfaktoren. Diese sind zum Teil aber aktuell noch nicht gut genug erforscht, um sie direkt der Resilienz zuzuordnen. Viele der Schutzfaktoren sind außerdem abhängig von anderen Einflussfaktoren, sodass sie sich je nach Ausprägung auch als schädlich herausstellen können: Ein soziales Umfeld kann so zum Beispiel auch schädliche Einflüsse auf Personen haben.

Oft wird auch eine hohe Intelligenz wegen ihrer Problemlösefähigkeiten als Schutzfaktor betrachtet. Da Personen mit hoher Intelligenz jedoch häufig dazu neigen, Schuld an negativen Ereignissen sich selbst zuzuschreiben, kann diese auch als Risikofaktor angesehen werden. Forscher:innen gehen daher eher davon aus, dass eine Intelligenz, die nur etwas über dem Durchschnitt liegt, am vorteilhaftesten für Resilienz ist.


Was kann ich mitnehmen?

Resilienz ist ein wichtiger Teil zur Bildung und Aufrechterhaltung einer gesunden Psyche. Während die Wirkung vieler potenzieller Schutzfaktoren noch nicht ausreichend belegt wurde, ist vor allem die Wirkung von sozialer Unterstützung bewiesen. So wurde auch bei der bereits erwähnten ersten großen Resilienzstudie auf Kauai herausgefunden, dass jede der 72 Personen, die unter sehr widrigen Bedingungen aufwuchs, mindestens eine sehr vertraute Bezugsperson hatte. Wenn du also deine Resilienz oder die von deinen Mitmenschen stärken willst, umgib dich mit Personen, denen du vertraust und sei selbst ebenfalls diese Person für Andere.


Quellen

Bengel, J., & Lyssenko, L. (2012). Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter : Stand der Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren von Gesundheit im Erwachsenenalter. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, (43). https://doi.org/10.4126/38m-005111600


Bengel, J., Meinders-Lücking, F., & Rottmann, N. (2013). Schutzfaktoren bei Kindern und Jugendlichen. Stand der Forschung zu psychosozialen Schutzfaktoren für Gesundheit. BzgA. (Original veröffentlicht im Jahr 2009)


Rönnau-Böse, M., Fröhlich-Gildhoff, K., Bengel, J., & Lyssenko, L. (2022). Resilienz und Schutzfaktoren. https://doi.org/10.17623/BZGA:224-i101-1.0







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