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Teil 1: Unsichtbare Narben: Verständnis von Traumata und PTBS



Das Wort „Trauma“ wird oft leichtfertig und unbedacht verwendet. Wir hören es in Gesprächen und in den Medien, wenn Menschen über ihre Erfahrungen sprechen, aber was bedeutet es wirklich, traumatisiert zu sein und welche Auswirkungen hat es auf das Leben der Betroffenen?

Trauma ist ein tiefgreifendes Ereignis oder eine Erfahrung, die eine Person durchmacht hat und die eine lang anhaltende und verheerende Auswirkung auf ihr Leben haben kann.

Leichtfertiger Umgang mit dem Wort "Trauma" trägt zur Verharmlosung und Stigmatisierung von Menschen, die tatsächlich traumatische Ereignisse erlebt haben, bei.


Was ist ein Trauma?

Ein Trauma kann definiert werden als die Konfrontation mit einem extrem bedrohlichen oder entsetzlichen Ereignis oder einer Reihe von Ereignissen. Diese Ereignisse können sexuelle oder körperliche Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, Kriegshandlungen oder andere Ereignisse, die mit Todesbedrohung und/oder Verletzung einhergehen, beinhalten.


Man kann zwischen Typ-I-Traumata und Typ-II-Traumata unterscheiden:

Typ-1-Traumata: einmalige oder kurzfristige Ereignisse, beispielsweise Verkehrsunfälle, körperliche Angriffe, Naturkatastrophen.

Typ-2-Traumata: wiederholte, lang anhaltende Traumatisierungen, die oft in der Kindheit oder Jugend stattfinden und meist mit Beziehungen und Bindungen zu engen Bezugspersonen verbunden sind, z. B. Vernachlässigung, emotionaler Missbrauch, körperlicher und sexueller Missbrauch.


Welche Auswirkungen haben Traumata?

Traumata steigern das Risiko für psychische, emotionale und körperliche Probleme, darunter Depressionen, Angstzustände, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Suchtprobleme, Schlafstörungen, chronische Schmerzen und viele andere.

Traumata können auch das Selbstwertgefühl und das Vertrauen einer Person in andere Menschen und die Welt im Allgemeinen beeinträchtigen. Die Auswirkungen von Traumata können oft so schwerwiegend sein, dass sie das tägliche Leben der Betroffenen beeinträchtigen und ihre Fähigkeit einschränken, Beziehungen aufzubauen und ein erfülltes Leben zu führen. Es ist daher wichtig, Traumata ernst zu nehmen und den Betroffenen eine angemessene Unterstützung und Behandlung zukommen zu lassen.


Was ist eine PTBS?

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann durch ein Trauma ausgelöst werden und ist gekennzeichnet durch unfreiwillige Erinnerung und Wiedererleben des Ereignisses. Besonders sensorische Reize können erinnert werden z. B. das Gesicht des Täters oder quietschende Reifen. Es kommt zu starken emotionalen oder körperlichen Reaktionen während der Erinnerungen.

Dissoziation kann mit einer PTBS verbunden sein und beschreibt das Gefühl, von eigenen Emotionen oder dem eigenen Körper entfernt zu sein und der Betroffene gerät in einen abwesenden Zustand.

Eine Studie von Schalinski et al zeigt, dass die meisten Frauen, die sexuelle Gewalt erlebten, Anzeichen von Dissoziation aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass Dissoziation eine adaptive Reaktion auf extreme Traumata sein kann.

Des Weiteren versuchen Betroffene, traumatische Erinnerungen oder externe Reize, die sie damit verbinden, zu vermeiden. Es kommt oft zu negativen Veränderungen der Gedanken und der Stimmung. Es wird ein höheres Arousal erlebt sowie emotionale Ausbrüche. Die Symptome müssen mindestens einen Monat lang bestehen.

Inhalte der intrusiven Erinnerungen, Flashbacks und Albträume sind meistens die schlimmsten Momente, die sogenannten Hotspots des Traumas.

Die ursprüngliche Bewertung wird während der Erinnerung beibehalten z. B. "Jetzt sterbe ich", selbst wenn man Informationen hat, die das widerlegen.

Nach einer Konfrontation mit einem traumatischen Ereignis entwickeln durchschnittlich 10-20 % der Menschen eine PTBS. 55% davon aufgrund von sexuellen Gewalterfahrungen.

Das Risiko ist bei einer wiederholten Traumatisierung höher als nach einem einmaligen Erlebnis.


Wie wirkt sich PTBS auf das Gehirn aus?

Die dauernde Alarmbereitschaft, das Meiden von Erinnerungsreizen und potentieller Gefahren führt zur Übererregung und Erschöpfung. Einige der betroffenen Regionen sind der präfrontale Kortex, der Hippocampus und die Amygdala. Die Amygdala beispielsweise ist für die Verarbeitung von Emotionen und die Stressreaktion verantwortlich und kann durch Trauma überaktiviert werden, was zu Angst und PTBS-Symptomen führt.

Darüber hinaus können traumatische Erfahrungen auch zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen, die mit langfristigen emotionalen und kognitiven Beeinträchtigungen einhergehen können.

Die Überreaktion des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierensystem (HHN) führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol, was wiederum zu einer Überaktivierung der Amygdala und anderen Gehirnregionen führen kann, die mit Angst und PTSD-Symptomen verbunden sind.

Quellen

Galley N., Fischer G., Hofmann A. (2000). Psycho-biologische Grundlagen von Traumanachwirkungen. Thieme. DOI: 10.1055/s-2000-8057. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2000-8057


Hoyer J., Knappe S. (2020). Klinische Psychologie und Psychotherapie. Springer, 51, S.1159-1179.


Schalinski, I., Elbert, T., & Schauer, M. (2015). Female dissociative responding to extreme sexual violence in a chronic crisis setting: The case of eastern Congo. Journal of Trauma & Dissociation, 16(3), 260-277.


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