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Akzeptanz eigener Hilfsbedürftigkeit

  • vor 10 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Wie Glaubenssätze unser Handeln leiten

Du gibst jeden Tag viel. Deine Zeit. Deine Kraft. Deine Aufmerksamkeit. Für Andere da zu sein, ist für dich selbstverständlich. Hilfe für dich selbst anzunehmen dagegen oft nicht.

Vielleicht kennst du Gedanken wie: „Ich muss das allein schaffen.“ Oder: „Jetzt darf ich keine Schwäche zeigen.“ Solche Überzeugungen begleiten viele Angehörige psychisch erkrankter Menschen. Und manchmal machen sie das Leben schwerer, als es ohnehin schon ist.

Aber was, wenn du als Helfender selbst Hilfe brauchst?



Wie Glaubenssätze unser Leben prägen


Viele unserer Überzeugungen begleiten uns seit der Kindheit. Oft merken wir gar nicht, wie stark sie unser Handeln beeinflussen. Durch unterschiedliche Erfahrungen lernen wir die Welt verstehen. Was wir über Stärke, Verantwortung oder Hilfsbereitschaft glauben, haben wir oft von anderen Menschen übernommen. Vielleicht hast du erlebt, dass Probleme mit sich selbst ausgemacht wurden. Vielleicht wurde Lob vor allem dann ausgesprochen, wenn du funktioniert hast. Solche Erfahrungen prägen uns. Oft stärker, als uns bewusst ist. Natürlich hört Lernen nicht nach der Kindheit auf. Im Gegenteil. Wir lernen jeden Tag etwas Neues. Es fällt uns jedoch schwer einmal erlernte Gewohnheiten wieder abzulegen.

Als Angehörige:r eines psychisch erkrankten Menschen kann sich das besonders belastend anfühlen. Du kümmerst dich. Du organisierst. Du hältst vieles zusammen. Und irgendwann wird Hilfe annehmen schwerer als Hilfe geben. Nicht weil du es nicht brauchst. Sondern weil eine innere Stimme sagt: „Ich muss das allein schaffen.“

Nicht jeder Glaubenssatz ist schlecht. Manche geben Halt und Orientierung. Problematisch wird es erst, wenn sie Druck erzeugen. Wenn aus „Ich bin stark“ ein „Ich darf keine Schwäche zeigen“ wird. Oder aus „Ich helfe gern“ ein „Ich muss immer für andere da sein“. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.


 Typische Glaubenssätze sind:


Positivbeispiele: Wenn ich mich nur genug Anstrenge, kann ich alles schaffen; Ich bin liebenswert.

Negativbeispiele: Ich scheitere sowieso; Ich falle allen zur Last


Negative Glaubenssätze auflösen


Manchmal spürst du nur den Druck – aber nicht was dahintersteckt. Ein Gedanke, der sich festgesetzt hat. Ein Gefühl, das sofort da ist, wenn jemand dich lobt oder etwas von dir braucht. Unsere Emotionen zeigen oft früher als Worte, was wir über uns glauben.

Vielleicht zieht sich dein Brustkorb zusammen, wenn dir jemand ein Kompliment macht. Vielleicht steigt Wut auf, wenn du das Gefühl hast, nicht zu genügen. Vielleicht macht dich etwas klein, das eigentlich harmlos wirkt. Diese Reaktionen sind ein Hinweis darauf, welche Überzeugungen in dir arbeiten.

Wenn du solche Glaubenssätze bei dir entdeckst, fühlt sich das oft schwer an. Und es dauert, bis sie sich verändern. Das ist normal. Ein erster Schritt kann sein, sie sanft zu hinterfragen und ihnen eine freundlichere Form zu geben – eine, die dir Halt gibt statt Druck.

Einige Beispiele zeigen dir, wie du sie entkräftest:

 Ich scheitere bei Allem à Ja, es gab einen Rückschlag. Das ist normal. Ich habe schon vieles erreicht. Ich werde weiter mein Bestes geben.

 Ich mache alles nur schlimmer à Verantwortung zu übernehmen ist mutig. Ich lerne dazu und kann es das nächste Mal besser machen.

Alte Gewohnheiten melden sich schnell zurück. Du musst dich nicht antreiben. Veränderung entsteht Schritt für Schritt.



Hilfe annehmen ist kein Zeichen der Schwäche


Hilfe anzunehmen, fühlt sich oft schwer an. Besonders dann, wenn du lange die Person warst, die alles getragen hat. Vielleicht meldet sich sofort der Gedanke: „Ich muss das allein schaffen." Aber das musst du nicht. Unterstützung anzunehmen ist kein Scheitern. Es ist ein Zeichen dafür, dass du deine Grenzen ernst nimmst. Du bist nicht allein damit. Oft sind es nicht die fehlenden Angebote, die Hilfe schwer machen. Es sind die Gedanken in deinem Kopf. Vielleicht willst du niemandem zur Last fallen. Vielleicht glaubst du, stark sein zu müssen. Oder du hast schon erlebt, dass andere nicht verstehen, wie viel Kraft dich der Alltag kostet. Wenn solche Gedanken laut werden, wirkt Hilfe annehmen schnell wie ein Zeichen von Schwäche. Dabei ist es etwas anderes: Du gibst dir selbst die Unterstützung, die du einem lieben Menschen längst zugestehen würdest.


Wo ich Hilfe finde


Für schnelle Hilfe kannst du dich immer an die Telefonseelsorge (0800 / 111 0 111, rund um die Uhr, kostenlos) wenden.

In Angehörigen-Selbsthilfegruppen findest du ebenfalls Unterstützung. Diese Angebote werden zum Beispiel über den Bundesverband BApK oder Kliniken bereitgestellt. Du lernst andere Menschen kennen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Möchtest du mehr über psychische Erkrankungen lernen und gleichzeitig für dich selbst sorgen? Unser Resilienzkurs für Angehörige psychisch erkrankter Menschen kann dir helfen. Der Kurs, der endlich für dich gemacht ist. Melde dich zu unserem Newsletter an und erfahre direkt wenn’s los geht.

Du lernst welche Schutzfaktoren dir im Alltag weiterhelfen. Wissenschaftlich geprüft. Für Menschen gemacht. In unserem Kurs erhältst du wichtige Informationen für den Umgang mit verschiedenen psychischen Erkrankungen, wie Angststörungen, Demenz, Depressionen und vielen weiteren.


Fazit


Du musst nicht perfekt mit allem umgehen. Du musst nicht immer funktionieren. Und du musst nicht alles allein schaffen.

Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, dass du dich selbst genauso ernst nimmst wie die Menschen, für die du jeden Tag da bist.

Es wird nicht alles einfach. Aber du trägst es nicht allein.


Quellen

3  Lerntheorien und -modelle im Kontext von Lehren und Lernen. (2024). In Grundwissen Didaktik (S. 74–118). Ernst Reinhardt Verlag. https://doi.org/10.36198/9783838588025-74-118

Cavelti et al. (2025). An examination of sociodemographic and clinical factors influencing help-seeking attitudes and behaviors among adolescents with mental health problems. In European Child & Adolescent Psychiatry (Bd. 34, Nummer 4, S. 1391–1402). https://doi.org/10.1007/s00787-024-02568-7

Hantzi, A., Anagnostopoulos, F., & Alexiou, E. (2019). Attitudes Towards Seeking Psychological Help: An Integrative Model Based on Contact, Essentialist Beliefs About Mental Illness, and Stigma. Journal of Clinical Psychology in Medical Settings, 26(2), 142–157. https://doi.org/10.1007/s10880-018-9573-8

Rusch, S. (2025). Women at work. Haufe Lexware. http://www.content-select.com/index.php?id=bib_view&ean=9783648183786


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