Saisonale Affektive Störung Winterdepression verstehen: Wenn die Jahreszeit zur Belastung wird
- Bassma
- 1. Okt.
- 5 Min. Lesezeit

Es ist zunächst normal, wenn man sich im Winter mal hier und da sehr schlapp und energielos fühlt. Doch wann genau wird es zu einer psychischen Belastung? Denn die Tage werden kürzer, das Sonnenlicht immer weniger und mit der Dunkelheit, die schon so früh einsetzt, zieht es bei vielen Menschen auch ein Stimmungstief ein. Müdigkeit, Antriebslosigkeit und gedrückte Stimmung sind bei vielen Menschen im Winter ein häufiges Phänomen, welches oft den ganzen Winter anhält. Doch wenn diese Symptome über Wochen anhalten, steckt oft viel mehr dahinter: die sogenannte ,,Winterdepression”.
Was viele für einen harmlosen ,,Winterblues” halten, kann eine ernstzunehmende
Form der Depression sein: die saisonale affektive Störung.
In diesem Artikel erklären wir verständlich:
• Was ist saisonale affektive Störung (SAD)?
• Wie entsteht SAD und was sind miteinhergehende Risikofaktoren?
• Die Behandlung einer SAD und der Umgang damit.
• Und wie Angehörige unterstützen können, ohne selbst auszubrennen.
Was ist,, Winterdepression”?
Die saisonale affektive Störung, auch gerne als ,, Winterdepression” bezeichnet, auf englisch übersetzt “seasonal affective disorder” (SAD) wird als eine Stimmungsstörung kategorisiert, welche sich durch wiederkehrende depressive Episoden im Herbst und Winter auszeichnet und sich aber im Frühling und Sommer wieder zurückbildet. Dieser Zustand wurde zunächst einmal im Jahre 1984 durch den amerikanischen Psychiater Norman Rosenthal beschrieben.
Typische Symptome sind: Schwierigkeiten beim morgendlichen Aufstehen, vermehrtes Schlafbedürfnis, gesteigerter Appetit u.a. Gewichtszunahme, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, depressive Stimmung, Pessimismus und Interessenverlust. Für die saisonale affektive Störung gibt es so zunächst keine eigenständige Diagnose. Winterdepression wird im DSM-5 nicht als eigenständige Diagnose eingeführt, sondern als einen Spezifizierer ,, mit saisonalem Muster” innerhalb einer Major Depression oder bipolaren Störung (American Psychiatric Association, 2013). Zu der Winterdepression gibt es eine mildere Version und zwar die sogenannten ,,Winterblues”. Und dann lässt sich die Frage stellen, wie die Winterdepression von den Winterblues zu unterscheiden ist. Ganz einfach! Die Symptome sind deutlich milder und kürzer als die der Winterdepression. Denn die Alltagsbeeinträchtigung im Vergleich zur Winterdepression ist deutlich geringer und die Betroffenen können ganz gewohnt weiterhin ihren Aktivitäten nachgehen.
Wie entsteht Winterdepression? - Risikofaktoren einer SAD
Die genauen Ursachen einer Winterdepression lassen noch Raum für weitere Forschung. Doch es gibt verschiedene Risikofaktoren, die zu einer Winterdepression beitragen können.
Biologische Faktoren: Dysbalance zwischen Serotonin und Melatonin
Einer der primären Ursachen einer Winterdepression ist eine Dysbalance zwischen den beiden Botenstoffen Serotonin (,,Glückshormon”) und Melatonin. Im Winter kann das verringerte Tageslicht die Produktion von Serotonin, dem Neurotransmitter reduzieren und somit zur depressiven Stimmungslage beitragen. Gleichzeitig steigt die Ausschüttung vom Melatonin, einem Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Dieses biochemische Ungleichgewicht kann vermehrte Müdigkeit und Antriebslosigkeit zur Folge haben.
Wirkung von Tageslicht auf den zirkadianen Rhythmus
Das verringerte Tageslicht hat nicht nur einen Einfluss auf die Psyche eines Menschen, sondern auch auf die innere biologische Uhr, was auch als zirkadianer Rhythmus bezeichnet wird. Dieser steuert ebenfalls den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Produktion der Hormone.
Winterdepression und Vitamin D Mangel
All dieser Mangel an Sonnenlicht zu einem Vitamin D Mangel führen. Denn Vitamin D ist nicht nur entscheidend für unseren Kalziumhaushalt, sondern auch zusätzlich für die Produktion von Serotonin.
Genetische Prädispositionen
Es spielen weitere Aspekte eine Rolle bei der Entwicklung einer Winterdepression. Genetische Faktoren sind ebenfalls von großer Bedeutung. Die Forschung zeigt, dass Personen mit einer familiären Vorgeschichte von Depressionen oder anderen affektiven Störungen ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Winterdepression aufweisen als Personen ohne eine solche familiäre Vorgeschichte.
Geografische Faktoren
Zusätzlich zu biologischen und genetischen Einflüssen sind auch Umweltfaktoren von Bedeutung. Untersuchungen zeigen, dass in nördlichen Regionen, wie Kanada oder Alaska, in der die Winterzeit besonders dunkel und lang ist, das Risiko für eine Winterdepression erhöht ist. Dort treten saisonal- affektive Störungen häufiger auf als in Orten näher am Äquator, die während des Winters mehr Sonnenlicht ermöglichen.
Psychosoziale Faktoren
Soziale und psychische Faktoren können ebenfalls die Entwicklung einer Winterdepression begünstigen. Belastungen, wie chronischer Stress oder schwierige persönliche Lebensumstände wie z.B. Isolation oder hohe berufliche Anforderungen, erhöhen das Risiko. Denn besonders in den dunklen Wintermonaten können sich diese o.g. Belastungen verstärken.
Wege aus dem Wintertief – Strategien für Licht, Stimmung und Balance
Lichttherapie
Untersuchungen zufolge gilt die Lichttherapie als die populärste Behandlungsmethode bei SAD. Psychiater empfehlen den Betroffenen mit einem Fuß oder beiden ihrer Füße mindestens eine halbe Stunde pro Tag, am besten direkt am Morgen nach dem Aufstehen vor einer Lichtbox zu sitzen. Das Positive daran, ist dass diese Art von Lichttherapie so effektiv ist, dass sich schon eine Besserung der Symptome bereits nach einer Woche zeigt.
Medikamentöse Therapie
Insbesondere bei extremen Fällen einer Winterdepression, könnte eine medikamentöse Therapie nützlich sein. Dort wird die Einnahme von Antidepressiva, spezifisch selektive Serotonin- Wiederaufnahmehemmern (SSRIs), in niedriger Dosierung zeitweise eingesetzt. Hierbei ist eine ärztliche Rücksprache erforderlich.
Selbsthilfe und Prävention
Um eigenständig den Weg aus dem Teufelskreis der Winterdepression zu finden, wäre besonders Selbstfürsorge ausschlaggebend. Manche Ärzt:innen könnten praxisnahe, präventive Tools anbieten, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen, um ein ,,Wintertief” nachhaltig zu überwinden. Ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft könnte bereits die Stimmung verbessern. Es sollte zudem besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D geachtet werden. Ebenso könnte die Ernährung angepasst werden. Bewusst angenehme Aktivitäten zu planen und die auch einzuhalten, unterstützen den Prozess einer Heilung. Bei saisonalen Depressionen neigt man dazu Pläne abzusagen. Außerdem wäre es empfehlenswert Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Mit Empathie und Grenzen: So können Angehörige Betroffene durch die dunkle Jahreszeit begleiten
Betroffene neigen oft dazu, sich zurückzuziehen oder ihre Gefühle wie z.B. Schuldgefühle die sie haben, nicht offen zu kommunizieren.
Was hilft
Verständnis zeigen, indem man aktiv zuhört, ohne sofort Lösungen anzubieten. Geduld ist also hier sehr entscheidend, da sich die Symptome oft schleichend entwickeln und viel Zeit benötigen, um zu heilen. Auch die Unterstützung beim Beibehalten von Routinen, kann eine enorme Erleichterung für den Betroffenen sein. Genau an diesen Routinen und Traditionen im Alltag sollte festgehalten werden. Es sollte aber trotzdem vermieden werden den Betroffenen zu drängen, denn es sollte vielmehr motiviert und begleitet werden.
Wichtig ist zu wissen
Während des Prozesses zur Heilung sollten Ehrlichkeit und realistische Erwartungen ebenfalls ganz oben auf der Liste stehen. Grenzen setzen, wenn es zu viel wird, ist nicht verboten. Denn solch eine Unterstützung erfordert sehr viel Geduld, Empathie und Verständnis und psychischen Widerstand! Man sollte also selbst auch die Arme offen lassen für weitere Unterstützung.
Zur Orientierung: Winterdepression nicht unterschätzen - jetzt handeln!
Winterdepression scheint weit bedeutender zu sein als nur ein vorübergehender Stimmungstiefpunkt. Sie ist nämlich eine ernstzunehmende Erkrankung, die genetische, biologische, psychosoziale und umweltbedingte Ursachen hat. Entscheidend ist aber, Symptome rechtzeitig zu erkennen, Mythen von Fakten zu trennen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Betroffene können von Lichttherapie, Bewegung, ausgewogener Ernährung, sozialen Kontakten und gegebenenfalls psychotherapeutischer Begleitung profitieren. Ebenso wichtig ist die Unterstützung durch Angehörige, empathisch aber mit eindeutigen Grenzen, um die eigene Gesundheit zu schützen. Wer also Winterdepression nicht ignoriert, sondern aktiv angeht, kann den Kreislauf aus Dunkelheit und Antriebslosigkeit durchbrechen und so die eigene psychische Stabilität fördern.





Kommentare