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Gewaltfreie Kommunikation - das Rosenberg-Modell

  • Philipp
  • 14. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Ein essenzieller Bestandteil von gelungenem zwischenmenschlichem Zusammenleben ist gelungene und angemessene Kommunikation. Entsprechend verbreitet sind verschiedenste Theorien und Ansätze, welche sich darauf fokussieren, genau diesen Bestandteil von Interaktion zu optimieren.

In diesem Artikel soll das Modell der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) nach dem amerikanischen Wissenschaftler Marshall Rosenberg vorgestellt werden.


 

Wie entstand Rosenbergs Modell der GfK?

Rosenberg begann, sein Modell in den frühen 1960er Jahren zu entwickeln, wobei er sich von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zur selben Zeit inspirieren ließ. Ziel seiner Arbeit war es dabei insbesondere, der damals noch in den USA verbreiteten Rassentrennung in Schulen und anderen Institutionen entgegenzuwirken.

Die früheste Version des GfK-Modells war Bestandteil eines 1972 publizierten Handbuches, wobei es bis heute stetig aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. So entwickelte Rosenberg selbst unter anderem ein spezifisch für Kinder ausgelegtes GfK-Modell.

Das Konzept der GfK kann sehr vielseitig verwendet werden. Häufige Beispiele sind Anwendungen in größeren Strukturen wie Bildungseinrichtungen, Organisationen, Institutionen sowie auch in dyadischen Settings wie Therapie, Beratung und Verhandlungen - grundsätzlich überall, wo Konflikte auftreten könnten. Viele Coaching- und Mediations-Agenturen bieten Fortbildungen und Seminare zur GfK an und nutzen sie zur Bearbeitung von Konflikten.


Zentrale Konzepte des GfK-Modells

Empathie ist nach Rosenberg eine Grundvoraussetzung gelingender Kommunikation. Er geht davon aus, dass die Form, in der Menschen miteinander kommunizieren, einen entscheidenden Einfluss darauf hat, ob sie Empathie für ihr Gegenüber entwickeln und ihre Bedürfnisse erfüllen können. Außerdem nimmt er an, dass Menschen unter freien Bedingungen die empathische Verbindung zum Mitmenschen suchen. Die GfK soll helfen, sich ehrlich auszudrücken und empathisch zuzuhören.

Sie ist auf die Bedürfnisse und Gefühle gerichtet, die hinter Handlungen und Konflikten stehen. Rosenberg nimmt an, dass jeder Mensch gern bereit ist, etwas für einen anderen Menschen zu tun, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind - ein zentrales Bild humanistischer Ansätze in der Psychologie.

Rosenberg unterscheidet zwei Arten zwischenmenschlicher Kommunikation, die Gewaltfreie Kommunikation und die lebensentfremdende Kommunikation. Zur spielerischen Veranschaulichung wird in Vorträgen und Seminaren dies auch als „Giraffensprache“ und „Wolfssprache“ bezeichnet.


Lebensentfremdende Kommunikation: Die "Wolfssprache"

Unter der "Wolfssprache" versteht Rosenberg Formen der Kommunikation, die die Verbindung zwischen Menschen blockieren und zu psychischer oder physischer Gewalt beitragen können.

Sie kennzeichnet sich primär durch das (moralische) Urteilen über den Kommunikationspartner. Dies impliziert je nach Setting das Zuschreiben von Eigenschaften auf den Kommunikationspartner, was auch im Rahmen einer als Gefühl präsentierten Bewertung geschehen kann ("Bsp. Ich fühle mich bedrängt."). Die GfK lehnt Bewertungen nicht explizit ab, legt jedoch Wert darauf, dass sie nicht auf moralischen Kategorien, sondern auf eigenen Gefühlen/Bedürfnissen beruhen sollten.

Weitere Kennzeichen sind das Anstellen von Vergleichen (was explizit nach Rosenberg eine Form der Verurteilung darstellt), das Leugnen von Verantwortung für eigene Handlungen und Gefühle (beispielsweise durch Externalisierung der Gründe, wie "Ich fühle mich schlecht, weil du mich schlecht behandelst." und das Stellen von Forderungen anstelle von Bitten, was sich durch die unterschiedlichen Konsequenzen auf Ablehnung durch den Gesprächspartner kennzeichnet und keine gleichberechtigte, zielorientierte Weiterführung der Kommunikation auf Augenhöhe zulässt.

 

Gewaltfreie Kommunikation: Die "Giraffensprache"

Rosenberg fasst die Schritte der GfK in folgendem Satz zusammen: „Wenn ich A sehe, dann fühle ich B, weil ich C brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d.“ - wobei a bis d die vier Schritte der GfK sind. Die vier Schritte der GfK sind Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.

In der Beobachtung geht es darum, eine konkrete Handlung oder das Unterlassen derselben zu beschreiben, ohne diese jedoch mit einer Bewertung oder Interpretation zu vermischen. Hier wird die direkte Abgrenzung zur Wolfssprache besonders deutlich. Ziel dieses Schrittes ist es insbesondere, dem Gegenüber Klarheit darüber zu geben, worauf genau sich - wertfrei - bezogen wird. Studien zeigten, dass bewertende Aussagen im Gegensatz hierzu dazu führen, dass das Gegenüber defensives Verhalten zeigt, da die Aussagen als Vorwürfe interpretiert werden. So sollen unter anderem Missverständnisse reduziert werden, welche Konflikte auslösen oder verstärken könnten.

Im Anschluss an die Beobachtung wird das mit ihr einhergehende, entstandene Gefühl beschrieben. Daraufhin soll im Idealfall das Bedürfnis, welches das Gefühl auslöst, beschrieben werden. Dies kann problematisch sein, da anders als das Gefühl selbst das zugrundeliegende Bedürfnis für die kommunizierende Person nicht unbedingt klar ersichtlich ist. Gerade aus diesem Grunde ist der (gemeinsame) Austausch mit dem Kommunikationspartner so essenziell.


Fazit

Bedürfnisse sind dabei universelle Werte wie zum Beispiel Sicherheit, Gemeinschaft oder Anerkennung.

Auf Grundlage dieser (Selbst-)Erkenntnis kann nun eine Bitte an den Gesprächspartner gerichtet werden. Hierbei differenziert Rosenberg zwischen Bitten, welche akut in der aktuellen Situation umsetzbar sind, und Wünschen, welche vager oder breiter gefasst sind und sich auf grundlegende Zustände oder Ereignisse in der Zukunft beziehen. Rosenberg stellt dabei außerdem klar, dass Bitten in diesem Zusammenhang gerade wegen der direkten, möglichen Umsetzung eine höhere Aussicht auf Erfolg haben.

Rosenbergs Modell der Giraffensprache bzw. der GfK sollte dabei nicht als starres Werkzeug, sondern vielmehr als Handlungsleitfaden gesehen werden. Nur so kann sich auf die jeweils individuelle Gesprächssituation je nach Kontext und Gesprächspartner eingestellt werden.

 

Quellen

Rosenberg, M. B. (2011). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Junfermann Verlag GmbH.


Rosenberg, M. B. (2013). Was deine Wut dir sagen will: überraschende Einsichten: Das verborgene Geschenk des Ärgers entdecken. Gewaltfreie Kommunikation: Die Ideen & ihre Anwendung. Junfermann Verlag GmbH.


Rosenberg, M. B. (2021). Voneinander lernen: Erziehung mit der GFK. Junfermann Verlag GmbH.


https://www.fachverband-gfk.org/forschungsstand-zur-gewaltfreien-kommunikation, In: Fachverband Gewaltfreie Kommunikation e. V. 29. Mai 2023, abgerufen am 20.11.2025.

https://www.leadion.de/2012/12/15/gewaltfreie-kommunikation/, abgerufen am 19.11.2025

Foto: https://www.pexels.com/de-de/foto/arbeiten-madchen-mutter-sprechen-8489620/


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