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Nächstenliebe & Grenzen setzen: Warum beides zusammengehört

  • Steffi
  • 24. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Wie wir empathisch handeln können, ohne uns selbst zu verlieren.


Nächstenliebe ist eine der stärksten sozialen Kräfte, die wir kennen. Besonders in der

Weihnachtszeit wird sie sichtbarer als sonst: Wir möchten für andere da sein,

Harmonie schaffen, Erwartungen erfüllen und Beziehung leben. Doch genau dann

geraten viele Menschen – vor allem Angehörige, Menschen in helfenden Rollen oder

besonders empathische Persönlichkeiten – in einen inneren Konflikt: Wie viel kann

ich geben? Und wo werde ich mir selbst zu viel?

Psychologisch betrachtet gehören Nächstenliebe und Grenzen eng zusammen. Wer

liebevoll handeln möchte, braucht Mechanismen, die vor Erschöpfung schützen.

Gerade rund um die Feiertage wird deutlich: Grenzen sind kein Gegensatz zu Liebe –

sie ermöglichen sie überhaupt erst.


Warum Nächstenliebe allein nicht reicht

Empathie ist eine der stärksten sozialen Kräfte. Laut Studien von Singer

(2014) aktiviert Empathie jedoch dieselben neuronalen Netzwerke wie Schmerz – wir

„fühlen mit“ und belasten damit unser eigenes Stresssystem.

Das führt dazu, dass dauerhafte empathische Belastung emotionale Erschöpfung,

reduzierte Empathiefähigkeit (Empathic Distress Fatigue) oder Burnout-ähnliche

Symptome begünstigen kann.

Deshalb braucht es „Compassion“, nicht nur Empathie. Compassion – also ein

mitfühlender, aber handlungsorientierter Ansatz – schützt das eigene System,

während man anderen hilft. Grenzen sind ein wesentlicher Teil davon.


Warum Grenzen ein Akt der Nächstenliebe sind

Aus der Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan, 2000) wissen wir: Menschen

brauchen Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit, damit Beziehungen gesund

bleiben. Grenzen schützen diese Grundbedürfnisse.


Weitere Forschung zeigt:


  • Menschen mit klaren Grenzen sind weniger gestresst, reagieren emotional

  • stabiler und erleben mehr Selbstwirksamkeit.

  • Grenzen reduzieren nicht die Liebe - sie reduzieren nur die Überforderung.

  • Beziehungen werden stabiler, wenn jede Seite sagen darf, was sie leisten kann

  • und was nicht.


Grenzen setzen ist also kein Rückzug, sondern ein mutiges Dazubleiben.


Wie Grenzen Beziehungen stärken

  1. Grenzen schaffen emotionale Sicherheit Die Paarforschung von John Gottman (1999) zeigt:

    ehrliche Ich-Botschaften und klare Kommunikation senken Konfliktdynamiken

    und stärken Stabilität.

  2. Grenzen fördern Authentizität

    Wer „Ja“ sagt, wenn er „Nein“ meint, verliert langfristig Vertrauen – auch in sich selbst. Ehrliche Grenzen verhindern stille Kränkungen.

  3. Grenzen ermöglichen Mitgefühl

    Laut Kristin Neff (2011) stärkt Self-Compassion die Fähigkeit, für andere da zu

    sein, ohne auszubrennen. Menschen mit Selbstmitgefühl setzen eher gesunde Grenzen und erleben weniger Schuldgefühle dabei.

  4. Grenzen stärken Selbstwirksamkeit

    Studien aus der klinischen Psychologie zeigen:Wenn Menschen Verantwortung teilen statt allein tragen, sinken Stress und Überlastung deutlich.


In der Praxis: Wie setzt man liebevoll Grenzen?

  1. Mit Ich-Botschaften statt Vorwürfen

    „Ich merke, dass ich Ruhe brauche. Ich bin später wieder für dich da.“

  2. Eigene Kapazitäten realistisch einschätzen Selbstmitgefühl hilft, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und durchzusetzen.

  3. Grenzen klar, aber weich formulieren Klare Sprache wirkt regulierend, nicht verletzend.

  4. Wiederholen, auch wenn es schwerfällt


Grenzen setzen ist ein Lernprozess – für beide Seiten.


Fazit

Grenzen sind kein Gegensatz zu Nächstenliebe – sie sind ihre Voraussetzung Nächstenliebe bedeutet nicht, sich selbst zu vernachlässigen. Psychologisch ist es genau andersherum: Wer gesunde Grenzen setzt, kann liebevoller, authentischer und nachhaltiger für andere da sein.Grenzen sind keine Barrieren. Grenzen sind Brücken – sie schützen uns, damit wir verbunden bleiben können.


Quellen

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (2000). The “what” and “why” of goal pursuits: Human needs

and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268.


Gottman, J. M. (1999). The seven principles for making marriage work. Crown.


Neff, K. D. (2011). Self-compassion, self-esteem, and well-being. Social and

Personality Psychology Compass, 5(1), 1–12.


Singer, T., & Klimecki, O. M. (2014). Empathy and compassion. Current Biology, 24(18),

R875–R878.


Foto von Duygu auf pexels


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