Wenn Freude sich auf einmal falsch anfühlt: „Warum es fremd erscheint, glücklich zu sein, wenn ein geliebter Mensch leidet“
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Dein Arbeitsvertrag für deinen neuen Traumjob liegt unterschrieben auf dem Tisch! Endlich! Monatelang hast du auf diesen Tag hingearbeitet, Bewerbungen geschrieben, Gespräche geführt und gehofft, dass es diesmal klappt.
Abends sitzt du mit deinem Partner auf dem Sofa. Eigentlich wolltet ihr deinen Erfolg feiern, vielleicht etwas essen gehen oder einfach nur gemeinsam glücklich sein. Doch dein Partner wirkt still, müde und leer. Seit Wochen geht es ihm nicht gut. Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen selbst kleine Dinge zu viel sind. Und plötzlich merkst du, wie deine eigene Freude immer weniger wird.
Der Gedanke kommt: „Wie kann ich mich jetzt freuen, wenn es ihm so schlecht geht?“
Auf einmal fühlt sich etwas Schönes falsch an. Nicht weil du etwas falsch gemacht hast, sondern weil du dich nicht mehr gut fühlst und Schuldgefühle verspürst. Du möchtest lachen, stolz sein, einfach erleichtert sein. Aber da ist dieses schlechte Gewissen, weil er leidet.
Irgendwann beginnst du, deine eigenen Gefühle automatisch kleiner zu machen.
Du machst deine Freude kleiner, damit sich niemand schlechter fühlt
Du erzählst weniger begeistert von deinem Erfolg, lächelst weniger oder feierst Dinge nicht mehr richtig. Du erreichst etwas Schönes, aber statt Stolz kommt sofort Relativierung. Nicht weil du undankbar bist. Viele lernen früh: Sei stark, fall niemanden zu Last, halte durch. Doch irgendwann fühlt sich eigene Freude fast schon verboten an.
„Wenn es meinem Partner schlecht geht, sollte es mir auch nicht zu gut gehen.“
Doch genau dadurch verlierst du langsam den Kontakt zu dir selbst. Das Leid eines anderen Menschen wird leider nicht leichter, nur weil du dich emotional mit runterziehst. Der Schmerz verschwindet nicht dadurch, dass du aufhörst zu strahlen. Das Ergebnis: Du erschöpfst dich selbst.
Warum Schuldgefühle schöne Momente schwer machen können
Schuld- und Schamgefühle beeinflussen dich stärker, als vielen bewusst ist. Kaum passiert etwas Schönes, meldet sich sofort die Stimme, die dir sagt, du darfst dich nicht freuen. Kennst du so eine Situation?
Besonders empathische Personen kennen das gut. Du spürst die Stimmung anderer intensiver, achtest auf kleine Veränderungen und möchtest niemanden zusätzlich belasten. Du freust dich weniger sichtbar, relativierst Erfolge sofort wieder oder entschuldigst dich fast für schöne Momente, weil dein Gehirn gelernt hat, Rücksicht mit emotionalem Verzicht zu verbinden.
Schuldgefühle hängen eng mit Mitgefühl zusammen. Irgendwann trägst du nicht mehr nur deine eigenen Gefühle, sondern auch die der anderen. Du fühlst dich verantwortlich dafür, wie es ihnen geht. Auch Scham spielt dabei oft eine Rolle. Schuld sagt: Ich habe was falsch gemacht. Scham sagt: Ich bin falsch. Dann geht es nicht mehr nur um Fehler, sondern um das Gefühl, selbst „zu viel“ oder falsch zu sein. Oft steckt dahinter unbewusst die Angst, herzlos oder egoistisch zu wirken. Das Gehirn verbindet Nähe dann mit emotionalem Mittragen. Wer liebt, glaubt plötzlich, genauso leiden zu müssen, um Verständnis zu zeigen. Du brauchst schöne Momente nicht erst dann, wenn alles perfekt ist. Du brauchst sie gerade dann, wenn das Leben schwer ist.
Du musst nicht leiden, um zu zeigen, dass dir jemand wichtig ist
Viele Menschen, die jemanden begleiten, kennen diesen inneren Reflex: Kaum fühlt sich etwas leicht an, taucht direkt das schlechte Gewissen auf.
Liebe bedeutet nicht, dass du dich selbst verlieren musst. Unterstützung bedeutet nicht, dauerhaft deine eigenen Bedürfnisse auszuschalten. Das vergessen viele. Doch genau das macht Beziehungen auf Dauer schwer, denn irgendwann bleibt von deiner eigenen Kraft kaum noch etwas übrig. Freude kann sich dann wie Luxus anfühlen. Wie etwas, das du dir erst verdienen musst. Dabei ist Freude keine Belohnung für gute Zeiten. Sie ist das, was dich in schweren Zeiten trägt.
Oder einfacher gesagt:
Du brauchst selbst Licht, um nicht innerlich auszubrennen.
Den schönen Moment nicht sofort wieder wegdrücken
Du musst nicht sofort lernen, riesige Glücksgefühle zuzulassen. Meistens reicht erstmal etwas Kleineres. Sich wieder über etwas freuen zu können, braucht oft Zeit. Gerade dann, wenn du lange angespannt warst oder ständig das Gefühl hattest, funktionieren zu müssen. Wichtiger ist, schöne Momente überhaupt kurz stehenzulassen, ohne sie gleich abzuwerten.
Das kann zum Beispiel bedeuten:
sich ehrlich über etwas zu freuen, ohne sich dafür zu rechtfertigen
eine Pause zu machen, ohne dabei innerlich unruhig zu werden
Dinge wieder aufzugreifen, die früher Kraft gegeben haben
den eigenen Erfolg nicht direkt kleinzureden
Würdest du einem Menschen, den du liebst, verbieten, sich kurz gut zu fühlen? Wahrscheinlich nicht. Genau das darf auch für dich gelten. Positive Gefühle nehmen dem Leid der anderen Person nichts weg.
Du darfst gleichzeitig traurig und glücklich sein. Das ist kein Widerspruch. Du kannst Mitgefühl empfinden und dich trotzdem freuen. Du kannst verstehen, dass jemand leidet, ohne dich selbst dafür emotional aufzugeben. Beides darf gleichzeitig existieren.
Fazit
Wenn ein geliebter Mensch leidet, passiert oft etwas: Die eigenen Gefühle werden leiser. Freude wirkt unpassend und Erfolge fühlen sich egoistisch an. Und irgendwann gewöhnst du dich daran, schöne Momente direkt wieder kleinzumachen. Das Problem ist nur: Du hilfst niemanden mehr, wenn du selbst leer bist.
Du musst dich nicht emotional mit herunterziehen, um zu zeigen, dass dir jemand wichtig ist. Du darfst empathisch sein, ohne jedes Gefühl des anderen zu deinem eigenen machen zu müssen. Nähe entsteht nicht nur durchs Mitleiden, sondern auch durch emotionale Sicherheit. Das, womit ein anderer Mensch kämpft, wird nicht leichter, nur weil du dir selbst keine Freude mehr erlaubst. Viele Menschen merken erst spät, wie sehr sie sich selbst verloren haben, weil sie immer funktionieren, Rücksicht nehmen und stark bleiben. Das Gefühl dafür, was dir guttut, geht immer mehr verloren. Schöne Momente sind kein Verrat. Kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Kein Beweis dafür, dass dir die andere Person egal ist.
Du darfst lachen, obwohl jemand anderes gerade kämpft.
Du darfst stolz auf dich sein.
Du darfst müde sein.
Und du darfst trotzdem noch schöne Dinge in deinem Leben sehen.
An dich selbst zu denken ist nicht falsch. Es ist notwendig.
Quellen
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