Wie wehren wir uns gegen die Angst zu verpassen?

Teil 2

Im letzten Beitrag haben wir die Mechanismen der FOMO – Fear of Missing Out/Angst zu verpassen – besprochen und haben festgestellt, dass wir schnell in einen Teufelskreis des sozialen Vergleichs geraten können.




Wie gehen wir nun damit um?

1. Erkenne, dass du nicht alles machen kannst…

Zentral für die Bekämpfung der FOMO ist es, zu akzeptieren, dass man nie alles machen können wird. Das mag nach einem Fluch klingen, doch tatsächlich ist es ein Segen. Denn für jedes „nein“, das man zu etwas Überflüssigem sagt, spricht man ein „ja“ zu sich selbst aus.

Sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, kann nämlich der Prozess der sogenannten Dissonanzreduktion in Kraft treten. Dieser bezieht sich auf das psychologische Konzept der Kognitiven Dissonanz, ein Unbehagen, das entsteht, wenn unser Denken und Handeln einander widersprechen [1]. Eine Sonderform davon ist die Nachentscheidungsdissonanz, die dann auftritt, wenn wir zwischen mehreren gleichwertigen Alternativen wählen müssen, von denen keine nur gut oder nur schlecht ist [2].

Auch hier soll uns ein Beispiel helfen, die Situation zu verstehen:

Sasha (30), Industriekauffrau.

Sasha hat einen neuen Job in einem großen Büro angenommen. Aufgrund eines Lockdowns hat sie einige Monate im Home Office gearbeitet und eine Reihe anstrengender Projekte hinter sich. Sie lebt allein und hat das Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Sie braucht dringend Erholung, aber genauso wichtig ist es ihr, endlich wieder Menschen zu sehen.

Eine Arbeitskollegin hat den Abschied ihres Sohnes Lindo, der bald auf Weltreise geht, zum Anlass genommen, eine große Party zu veranstalten, bei dem sie auch ihren eigenen Geburtstag nachfeiert, der wegen Corona ausgefallen ist. Zu einem relativ sicheren Zeitpunkt im Sommer hat sie die ganze Abteilung eingeladen und Sasha überlegt, ob sie auf die Party gehen oder zuhause bleiben sollte.

Wenn sie hinginge, könnte sie die lang ersehnten Kontakte knüpfen, aber vermutlich würde sie zu viel Alkohol trinken, um in der großen Menschenmenge locker zu werden. Dann wäre ihr am nächsten Morgen übel und sie hätte Kopfschmerzen, die sie beim Arbeiten belasten.

Wenn sie zuhause bliebe, würde sie sich nicht betrinken und keinen Kater haben, aber auch keine sozialen Interaktionen. Sie würde vermutlich auf der Couch liegen und halbherzig Filme schauen. In Gedanken wäre sie jedoch bei der verpassten Feier ihrer Kollegin und würde sich womöglich um Mitternacht doch noch dorthin schleifen. Schließlich dürfte die Party in der kommende Woche Gesprächsthema Nr.1 sein. In diesem Fall wäre weder der Filmabend noch die Feier besonders zufriedenstellend.

Mit keiner der Optionen fühlt sich Sasha zu Hundert Prozent wohl. Sobald sie eine gewählt hat, wird sie eine Nachentscheidungs-Dissonanz verspüren, weil sie womöglich die bessere Alternative abgesagt hat. Um dieses Unbehagen zu vermindern, konzentriert sie sich auf die positiven Aspekte, während sie die andere Variante teils bewusst, teils unbewusst schlecht redet (= Dissonanzreduktion).

Das könnte dann so aussehen:

Sasha entscheidet sich, auf die Party zu gehen. Zu trinken hebt die Stimmung und das kann sie nach dieser stressigen Arbeitsphase gut gebrauchen. Sie kann bestimmt rechtzeitig aufhören, sobald sie merkt, dass es genug ist. Dann muss sie wenigstens keinen ruhigen, aber langweiligen Abend erdulden, sondern kann von Anfang an dabei sein und notfalls früher wieder heimgehen. Die guten Erinnerungen wird sie später mit ihren Kolleg*innen teilen können, anders als den Film, den sie allein geschaut hat…

2. …und auch gar nicht alles machen willst!

3. Was könntest Du tun?

Für eine Übersicht der Tipps gegen FOMO lohnt sich ein Blick auf unsere Instagramseite! Mehr Informationen über die Rolle der Kognitiven Dissonanz beim Treffen von Entscheidungen findest Du ebenfalls dort.



Quellen