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(Online) Dating mit psychischen Erkrankungen


In Deutschland hat jede dritte Person schon einmal einen Online-Dating-Dienst genutzt – das gaben die Befragten einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2019 an. Dating Websites und Apps aller Art sind so beliebt wie nie. Für Paare, die sich online kennengelernt haben, gibt es sogar einen eigenen Tag: der „Virtual Love Day“ hat dieses Jahr weltweit am 24. Juli stattgefunden. Ein Thema, das allerdings genauso viele Menschen betrifft, ist psychische Gesundheit. In Deutschland leben jährlich ca. ein Drittel der Bevölkerung mit einer psychischen Erkrankung, das sind rund 18 Millionen Menschen. Auch darunter sind viele Personen, die sich online verlieben und Dating-Portale nutzen wollen. Aber gibt es auch Plattformen, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit psychischen Erkrankungen eingehen? Welche Bedürfnisse sind das überhaupt und wie gehe ich als Dating-Partner beim Kennenlernen darauf ein?


Wie hängen Online Dating und mentale Gesundheit zusammen?

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2022 hat gezeigt, dass besonders Personen, die Schwierigkeiten bei der traditionellen Partnersuche haben, sich dem Online-Dating zuwenden und davon profitieren. Den Forschenden nach können diese psychosozialen Vulnerabilitäten die Entstehung von romantischen Beziehungen erschweren:

  • internalisierende Symptome (wie Angst oder Depression)

  • Sensitivität für Abweisung

  • Bindungsunsicherheit

In der Studie konnte ein Zusammenhang zwischen Angst, Depression, Ablehnungssensitivität und Bindungsangst mit der Nutzung von Online-Dating gezeigt werden. Als Erklärung dafür wird die Social compensation Hypothese genannt. Diese besagt, dass digitale Kommunikation Vorteile für Menschen haben kann, die aufgrund mangelnder sozialer Fähigkeiten oder eines geringen Wohlbefindens Schwierigkeiten mit persönlichen Interaktionen von Angesicht zu Angesicht haben. Online-Kommunikation weist bestimmte Eigenschaften auf, die es den Nutzer:innen ermöglichen, psychosoziale Vulnerabilitäten zu kompensieren. Zum Beispiel kann Online-Kommunikation aufgrund der Anonymität angenehmer sein als die persönliche Kommunikation.

Besonders Menschen, denen es mental nicht gut geht, zeigen oben genannte psychosoziale Anfälligkeiten wie Bindungsunsicherheit oder Ablehnungssensitivität. Auch psychische Erkrankungen wie Angst und Depressionen führen dazu, dass mit höherer Wahrscheinlichkeit Online-Dating-Angebote genutzt werden. Plattformen und Apps wie Tinder, Bumble und Co. bieten vielen Menschen also eine Möglichkeit, sich an Dating heranzuwagen und fehlende soziale Fähigkeiten oder Unsicherheit zu kompensieren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese herkömmlichen Angebote die Bedürfnisse psychisch kranker Menschen abdecken können und sie sich im kompletten Dating-Prozess wohl fühlen können.


Online Dating-Portale für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Depressionen, Belastungsstörungen, Angststörungen, Psychosen, Essstörungen, …

Psychische Erkrankungen erscheinen in der Gesellschaft in vielen verschiedenen Formen. Sie fallen unterschiedlich schwerwiegend aus und können verschieden lange andauern. Diese Erkrankungen können also keineswegs in einen Topf geworfen werden, auch da Betroffene sich im Umgang mit ihrer Erkrankung unterscheiden können. Manche Schwierigkeiten werden aber häufig und wiederholt von Menschen, die psychisch erkrankt sind, berichtet. Viele leiden unter vermehrten Selbstzweifeln und damit einhergehend einem geringen Selbstwert. Außerdem können Ängste eine große Rolle spielen: Angst vor Ausgrenzung, Scham über die eigene Krankheit, Angst vor Verurteilung.

Herkömmliche Dating-Apps bieten bisher wenig oder keine Möglichkeit das Thema der eigenen psychischen Erkrankung anzusprechen und offen damit umgehen zu können. Wünschenswert wäre daher sicher ein Modus, der sich weniger um Bilder der zukünftigen Dating-Partner:innen dreht und mehr Platz für Freitexte bietet, um über sich und die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und ggf. die eigene Erkrankung schreiben zu können. Portale, die sich darauf spezialisiert haben, wie zum Beispiel gleichklang.de, bieten eine Plattform, auf der sich Menschen kennenlernen können, die eh schon offen mit mentaler Gesundheit umgehen und so vielleicht die Angst beim ersten Kennenlernen schwächer wird.


Wie gehe ich im Dating mit Menschen um, die eine psychische Erkrankung haben?

Auch hier gibt es keine ‚Anleitung‘, wie Menschen behandelt werden wollen. Das gilt für alle Menschen – egal ob mit oder ohne psychische Erkrankung. Wichtig ist aber immer, keine Stereotype zu bedienen und den ersten Eindruck nicht durch Vorurteile oder Schubladendenken zu verfälschen. Wenn im Online-Profil einer Person ein Hinweis auf eine Erkrankung gegeben ist, kann es hilfreich sein, sich darüber zu informieren, um die eigene Unsicherheit zu überwinden. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Person, die man kennenlernt, möglicherweise ein ganz anderes Krankheitsbild zeigt und vielleicht auch anders damit umgeht. Offenheit und Interesse zeigen kann auch dabei helfen, dass sich die Person mit einer Erkrankung nicht einsam oder isoliert fühlt. Hier gilt es trotz aller neutralen Offenheit einfühlsam zu bleiben und der Person keinen Druck zu machen, über etwas reden zu müssen. Während einer Dating-Phase kann es auch hilfreich sein, sich immer wieder bewusst zu machen: eine Person ist nicht gleich ihre Erkrankung. Diese beiden Dinge können und sollten von Zeit zu Zeit voneinander getrennt betrachtet werden. Wichtig zu bedenken ist außerdem, dass ein:e Partner:in kein:e Therapeut:in ist. Nur wenn ich meine eigenen Bedürfnisse und mich selbst nicht aus den Augen verliere, kann ich auch für eine andere Person da sein.



Quellen

E.v., B. (Mo., 11. Februar 2019). Jeder dritte Deutsche sucht die Liebe im Internet. Bitkom e.V. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-dritte-Deutsche-sucht-die-Liebe-im-Internet


Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V.. (2023, 26. Juni). Zahlen und Fakten. https://www.dgppn.de/schwerpunkte/zahlenundfakten.html


Toma, C. L. (2022). Online dating and psychological wellbeing: A social compensation perspective. Current Opinion in Psychology, 46, 101331. https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2022.101331


Darum date ich psychisch kranke Menschen - reporter. (2023, 26. Juni). https://www.zdf.de/funk/reporter-11853/funk-darum-date-ich-psychisch-kranke-menschen---reporter-102.html


Partnersuche auf gleichklang.de |. (2016). Partnervermittlung für Menschen mit psychischen Erkrankungen | Partnersuche auf gleichklang.de. https://www.gleichklang.de/besonderheiten/lebenssituationen/seelische-erkrankungen/


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