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LGBTQIA+ Awareness Month – Weißt du, warum queere Sichtbarkeit so wichtig ist?


Nicht nur im Pride Month Juni finden diverse Veranstaltungen rund um den Christopher Street Day, kurz CSD, statt. Während den Sommermonaten wird in vielen deutschen Städten für die Rechte, sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung der LGBTQIA+ Community demonstriert.

Neben politischen Forderungen zur Gleichstellung verfolgt der CSD vor allem auch das Ziel, Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit für queere Menschen zu schaffen. Seitdem der CSD 1979 das erste Mal in Deutschland stattfand, hat sich einiges in Bezug auf die Rechte queerer Menschen verändert. Allerdings müssen Personen, die nicht heterosexuell sind, immer noch viel Ungerechtigkeit und Diskriminierung erleben.


Diskriminierung und die Folgen für queere Menschen

Laut einer repräsentativen, europäischen Umfrage aus dem Jahr 2019 gaben 43 % der befragten LGBTQIA+ Personen an, im letzten Jahr Diskriminierung im Alltag erlebt zu haben. Diese Zahl sei sogar im Vergleich zur ersten Umfrage im Jahr 2012 angestiegen und die Situation habe sich somit verschlechtert. Eine Befragung aus dem Jahr 2017 geht sogar davon aus, dass die allgemeine Diskriminierungswahrscheinlichkeit bei queeren Menschen ungefähr doppelt so hoch ist als bei heterosexuellen Personen.

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Diskriminierung und sogenannter Minderheitenstress insbesondere Auswirkungen auf die psychische und mentale Gesundheit sowie den Selbstwert von Betroffenen haben.

Studien belegen, dass LGBTQIA+ Menschen in Deutschland fast dreimal häufiger von Depressionen und Burnout betroffen sind als die restliche Bevölkerung.

Auch Angst-, Ess- und Schlafstörungen sind überproportional häufiger in der LGBTQIA+ Community verbreitet. Neben mentalen Gesundheitsproblemen fühlen sich queere Menschen doppelt so häufig einsam und sozial isoliert als nicht-queere Personen, bei Trans*-Personen steigt diese Zahl sogar auf fünfmal so häufig an.


Der Einfluss von sozialen Rollen und Stereotypen

In der Psychologie wird davon ausgegangen, dass Menschen ihre Mitmenschen (und sich selbst) in verschiedene soziale Kategorien unterteilen und ihnen damit eine soziale Identität zuweisen basierend auf zum Beispiel dem Geschlecht oder Beruf. Diese Kategorien werden dann häufig mit bestimmten Eigenschaften verbunden. Das kann im Alltag dabei helfen, sich in einer Gesellschaft zurecht zu finden und sich zugehörig zu fühlen. Und wer möchte das nicht – sich einer Gruppe zugehörig fühlen.

Problematisch wird es dann, wenn hierdurch fälschlicherweise Vorurteile und Stereotype entstehen. Dabei werden Menschen aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit bestimmte (häufig klischeehafte und vereinfachte) Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben. Das zieht negative Folgen für die Mitglieder einer sozialen Gruppe nach sich. Zum einen findet eine soziale Differenzierung statt, das heißt Menschen werden anhand nur eines Merkmals voneinander getrennt und aufgeteilt. Zum anderen müssen betroffene Personen oben genannte Diskriminierung aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit erleben.

Um negative Stereotype aufzubrechen, empfiehlt die Forschung positive Rollenbilder und Sichtbarkeit der diskriminierten Personen und Gruppen. Beispiele reichen dabei von Frauen in Führungspositionen über Medienpräsenz von Menschen mit Behinderung bis hin zu offen homosexuellen Politiker:innen. Für viele Minderheiten gibt es sehr wenige Rollenvorbilder, mit denen sich Betroffene identifizieren können, während gleichzeitig negative Stereotype weit verbreitet sind.

Mit Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day wird für queere Menschen ein Raum geschaffen, der für Sichtbarkeit und Aufklärung sorgt und der negative Stereotype aufbrechen kann. Der Einsatz gegen Diskriminierung der LGBTQIA+ Community ist also auch ein Einsatz für die mentale Gesundheit von Betroffenen.


Was kann ich tun?

Soziale Kategorien und Vorurteile werden über Jahre hinweg, häufig unbewusst erlernt. Was jede Person selbst beitragen kann, ist, diese erlernten Meinungen zu hinterfragen. Informiere dich über soziale Gruppen und trete mit Menschen in Kontakt, zu denen du sonst keine Schnittstellen hast. So werden verschiedene Perspektiven und Lebensweisen in deine Meinungsbildung eingeschlossen und Vorurteilen wird entgegengewirkt.



Quellen

CSD Deutschland. (2023, 10. April). CSD Deutschland e.V. - Dein LSBTIQ*-Netzwerk - CSD Deutschland. https://csd-deutschland.de/


Kasprowski, D., Fischer, M., Chen, X., de Vries, L., Kroh, M., Kühne, S., Richter, D., & Zindel, Z. (2021). Geringere Chancen auf ein gesundes Leben für LGBTQI*-Menschen. DIW Wochenbericht, 88(6), 80-88.


EU-LGBTI, I. I. (2020). A long way to go for LGBTI equality. European Union Agency For Fundamental Rights.


Bundeszentrale für politische Bildung (23. Juni 2021). Spezial: Homosexualität - bpb.de. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/homosexualitaet/265197/homophobie-abwertung-von-lesbischen-schwulen-und-bisexuellen-personen/


Siegle, D. (3. September 2020). „Dann werden Mädchen keine Astronautinnen“. Psychologie Heute. https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/artikel-detailansicht/40754-dann-werden-maedchen-keine-astronautinnen.html


Beigang, S., Fetz, K., Kalkum, D., & Otto, M. (2017). Diskriminierungserfahrungen in Deutschland. Ergebnisse einer Repräsentativ- und einer Betroffenenbefragung. Baden-Baden: Nomos & Antidiskriminierungsstelle des Bundes.


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