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Soziale Unterstützung - was hilft uns?


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Soziale Unterstützung ist gerade für Menschen mit psychischer Erkrankung eine sehr wichtige Ressource und ein protektiver Faktor, um bei Stress und Schwierigkeiten die Resilienz zu stärken. In einer Meta-Analyse wurde gefunden, dass soziale Unterstützung das Sterblichkeitsrisiko um 50 Prozent senken kann, was vergleichbar ist mit der Vermeidung von gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen, wie Rauchen oder Alkoholkonsum. Im Folgenden erfährst du mehr über soziale Unterstützung, den Zusammenhang mit psychischer Gesundheit, die verschiedenen Formen sozialer Unterstützung und du bekommst konkrete Tipps, wie du als Angehörige/r am besten andere Menschen unterstützen kannst.


 

Was ist soziale Unterstützung?

Soziale Unterstützung beinhaltet die Möglichkeit, beim Auftreten von Schwierigkeiten adäquate und funktionale Hilfe aus dem sozialen Umfeld zu erhalten. Als Bedingung für soziale Unterstützung muss eine Person zunächst in ein soziales Netz integriert sein, damit sie Personen kennt, die Unterstützung anbieten und bei der Lösung von Problemen helfen. Das Ausbleiben von sozialer Unterstützung stellt somit einen Risikofaktor für vermindertes Wohlbefinden dar. Es ist daher sehr wichtig, mit Menschen im Kontakt zu sein, die bei Problemen weiterhelfen können. Dies führt zu einem besseren Umgang mit Stress und verstärkt das Wohlbefinden sowie die psychische Gesundheit.


Soziale Unterstützung und psychische Gesundheit

In der Forschung hat sich vielfach gezeigt, dass soziale Unterstützung einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit hat.  Die wahrgenommene Verfügbarkeit von sozialer Unterstützung war im Kontext der Krankheitsverarbeitung mit einer besseren Anpassung und Lebensqualität sowie mit weniger Ängstlichkeit und Depressivität verbunden. Zusätzlich konnte die protektive Wirkung sozialer Unterstützung bei der Entstehung und im Verlauf von psychischen Störungen bestätigt werden. Bei der Konfrontation mit stressauslösenden Situationen motiviert soziale Unterstützung zu günstigen kognitiven Bewertungen und geeigneten Bewältigungsstrategien. Zudem fühlen sich sozial Unterstützte eher in der Lage, mit Problemen umzugehen und sie werden dadurch in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt. Dies wirkt sich positiv auf deren Gesundheit aus.


In der Forschung werden zwei Effekte diskutiert, die für den Zusammenhang zwischen sozialer Unterstützung und psychischer Gesundheit verantwortlich sind. Zum einen kann soziale Unterstützung als Haupteffekt eine positive Wirkung auf die Gesundheit entfalten, unabhängig vom Stresserleben. Der andere als Stresspuffer bekannte Effekt geht davon aus, dass nur in Zeiten hoher Stressbelastung soziale Unterstützung als protektiver Faktor dabei hilft, negative Stressfolgen abzumildern. Es konnten beide Effekte empirisch bestätigt werden: Zum einen wirkt sich soziale Unterstützung generell günstig auf die psychische Gesundheit aus, zum anderen mildert sie bei hoher Belastung die negativen Stressfolgen ab.


Formen von sozialer Unterstützung

Es können drei Formen von sozialer Unterstützung unterscheiden werden:


  • Emotionale Unterstützung bedeutet Wärme, Trost und Zuspruch zu vermitteln, sowie empathisch zuzuhören. Emotionale Unterstützung ist besonders in unkontrollierbaren Situationen wichtig und wird generell als sehr hilfreich empfunden.

  • Instrumentelle Unterstützung meint die konkrete Hilfestellung bei auftretenden Problemen sowie die Bereitstellung von finanziellen Ressourcen, beispielsweise für eine kranke Person einzukaufen und zu kochen. Auch diese Form der sozialen Unterstützung wird als sehr hilfreich wahrgenommen.

  • Informationelle Unterstützung umfasst das Bereitstellen von Informationen und wird als sehr hilfreich empfunden, wenn sie von medizinischem oder psychologischem Fachpersonal gegeben wird. Gut gemeinte Ratschläge von Angehörigen werden hingegen oftmals als weniger hilfreich bewertet.


Wann ist soziale Unterstützung hilfreich?

Ob eine Form der sozialen Unterstützung als hilfreich bewertet wird, hängt zum einen von der Kontrollierbarkeit einer Situation ab. Wenn ein Stressor als nicht kontrollierbar erlebt wird, wie im Fall einer durchgefallenen Prüfung, ist emotionale Unterstützung angebracht. Erscheint ein Stressor hingegen kontrollierbar, wie im Fall einer in der Ferne liegenden Abschlussarbeit, dann ist informationelle Unterstützung hilfreicher.


Zudem ist das Verhältnis zwischen gewünschter und erhaltener Unterstützung entscheidend, ob eine Person soziale Unterstützung als hilfreich empfindet. Es hat sich gezeigt, dass sowohl weniger als auch mehr gegebene Unterstützung als gewünscht mit verschlechtertem Wohlbefinden einhergeht. Eine Ausnahme ist das Erhalten von mehr emotionaler Unterstützung als gewünscht, das mit mehr Wohlbefinden verbunden ist.


Wichtig ist, zwischen erhaltener und wahrgenommener Unterstützung zu unterscheiden. Erhaltene Unterstützung meint das konkrete Hilfeverhalten in einer Situation und wird rückblickend aus der Perspektive der Empfangenden erfragt. Bei wahrgenommener Unterstützung geht es darum, dass eine Person die Erwartung hat, bei einer auftretenden Problemsituation konkrete Hilfe aus ihrem sozialen Netzwerk zu erhalten. Dabei ist zu beachten, dass soziale Unterstützung aus Sicht der empfangenden Person nicht zwangsläufig mit der Sicht der unterstützenden Person übereinstimmen muss. Leider kann es hier zu Missverständnissen kommen, wenn gut gemeinte Ratschläge und Unterstützungshandlungen nicht als solche wahrgenommen werden.


Was können Angehörige tun?

Soziale Unterstützung ist nicht immer hilfreich und kann zu erhöhter Ängstlichkeit, einem erhöhten Stresserleben und einer negativen Stimmung führen. Als mögliche Erklärungen hat die Forschung herausgefunden, dass sich unterstützte Personen inkompetent fühlen, nicht an ihre Selbstwirksamkeit glauben und das Gefühl haben können, den Unterstützenden etwas zu schulden. Für Angehörige ist es daher wichtig zu wissen, dass Unterstützung auch Nachteile haben kann. Einer Person Informationen zu geben und Probleme zu lösen, obwohl diese sich nur aussprechen will, wäre hierfür ein Beispiel. Angehörige sollten daher ein feines Gespür für die Signale entwickeln, die nahestehende Menschen aussenden, sowie empathisch nachfragen, welche Form der sozialen Unterstützung gerade gebraucht wird.


Eine weitere Möglichkeit für Angehörige besteht in einer unsichtbaren Unterstützung. Damit ist gemeint, dass diese Unterstützung von den Empfangenden nicht als solche wahrgenommen wird, obwohl sie von den unterstützenden Angehörigen als solche beabsichtigt ist. Diese Form der Unterstützung vermeidet die Nachteile von sozialer Unterstützung, da negative Auswirkungen auf die Selbstwirksamkeit ausbleiben. Als Beispiel kann die freiwillige Übernahme lästiger Aufgaben im Haushalt dienen, was Menschen hilft, sich besser auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Auch die ehrliche Freude von Angehörigen über die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch führt dazu, dass dieses Gespräch nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung bewertet wird. Es ist aber wichtig zu betonen, dass unsichtbare Unterstützung nur dann eingesetzt werden soll, wenn noch nicht ausdrücklich um soziale Unterstützung gebeten wurde.


Fazit

Soziale Unterstützung ist eine wichtige Ressource für das psychische Wohlbefinden und wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Zudem können die negativen Folgen von Stress abgemildert und die Resilienz gestärkt werden. Von den verschiedenen Formen wird besonders die emotionale Unterstützung als sehr hilfreich bewertet. Um Nachteile von sozialer Unterstützung zu vermeiden, sollten Angehörige empathisch nachfragen, welche Unterstützung gerade benötigt wird und präventiv unsichtbare Unterstützung anbieten.


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