Seufzen tut gut – und hilft auch beim Leseverständnis


Die meisten Menschen lesen täglich – egal, ob unfreiwillig für die Uni, interessehalber oder weil es ihnen Spaß macht. Während die einen lieber Texte auf Papier lesen, präferieren andere Texte auf elektronischen Geräten. Dabei birgt das Lesen von Texten auf Papier einige Vorteile gegenüber dem Lesen von Texten auf Bildschirmen! Doch welche sind das und warum ist das so?


Das Lesen von Texten auf Papier führt – im Vergleich zum Lesen von Texten auf elektronischen Geräten – sowohl zu einem besseren Leseverständnis als auch zu einer besseren Erinnerung an das Gelesene. Grund dafür könnte zum Einen die digitale Ablenkung sein: elektronische Geräte gehen mit der Versuchung einher, während des Lesens auf dem Bildschirm gleichzeitig andere Dinge zu tun. Außerdem stellt es eine Herausforderung für das räumliche Gedächtnis dar, sich Dinge zu merken, die nicht immer an derselben Stelle einer Seite stehen. Allerdings herrscht in der Forschung bislang kein Konsens darüber, warum das Lesen von Texten auf elektronischen Geräten zu einer schlechteren Erinnerung an das Gelesene führt.


Zur Beantwortung dieser Frage ist es zunächst wichtig zu verstehen, was beim Lesen in unserem Körper passiert. Zum Einen verändert sich unsere Atmung: Dadurch, dass die Menge der ein- und ausgeatmeten Luft während des Lesens abnimmt, wird unsere Atmung schneller und flacher. Zum Anderen nimmt die präfrontale Gehirnaktivität zu. Der präfrontale Kortex (PFC) ist ein wichtiges Integrationszentrum im Gehirn: Hier werden Informationen zusammengeführt, Reaktionen gebildet und Emotionen reguliert. Neuere Studien fanden heraus, dass das Seufzen beim Lesen (tiefes Ein- und Ausatmen) unsere Atmung zu regulieren und eine Überaktivität des PFC zu verhindern scheint.


Wie häufig wir beim Lesen seufzen wird davon beeinflusst, welches Medium wir nutzen. Experimenten zu folge seufzen wir mehr, wenn wir einen Text auf Papier statt einem elektronischen Gerät lesen. Oder in anderen Worten: elektronische Geräte scheinen unsere Seufzproduktion zu hemmen. Aus diesem Grund kommt es beim Lesen von Bildschirmen zur Überaktivität im PFC, welche das Leseverständnis beeinträchtigen kann. Eine Ursache für die Hemmung des Seufzen ist das blaue Licht, das von elektronischen Geräten ausgestrahlt wird. Es erzeugt eine anhaltende Aufmerksamkeit und kann in einer präfrontalen Überaktivität resultieren.


Was solltest du nun also beim Lesen von Texten beachten? Die naheliegenste Konsequenz scheint wenig überraschend: Greif, wenn möglich, mal wieder zur Papierversion eines Textes! Egal, ob es sich dabei um ein Buch anstelle eines Tolinos oder die ausgedruckte Version deiner Lernzettel handelt – das Lesen von Texten auf Papier ermöglicht neben einigen Vorteilen auch ein ganz anderes Leseerlebnis. Wenn du Papier sparen möchtest, elektronische Geräte bevorzugst oder das Lesen von Texten auf Bildschirmen für dich unvermeidbar ist, nimm dir hin und wieder einige Sekunden um zu pausieren und tief durchzuatmen – denn Seufzen regulieret die Atmung und führt zu einem besseren Leseverständnis!



Quellen